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Mercutio

In kurz erwähnt on 29. Mai 2009 at 22:11

Romeo charakterisiert Mercutio als jemanden, der sich gerne reden hört. Mercutio spräche in einer Minute mehr als er in einem Monat verantworten könne.

Heute frage ich mich, warum es keinen Ausbildungsberuf „Politiker“ gibt? Anders formuliert: Wenn das ganze Land hochqualifizierte Arbeitnehmer will – warum darf dann theoretisch jeder Politiker werden? Natürlich nur, wenn er sich in den Reigen des netzwerkens in einer Partei eingliedert und sich den hierarchischen Mechanismen dieses Spektrums unterwirft! Ist es nicht sinnvoller, von Grund auf ein Berufsbild des Politikers zu etablieren? Unabhängig der Tatsache, dass wohl keine staatliche Institution Politiker braucht, die in Legislatur-Perioden denken und sich selbst am nächsten sind. Uns klingt bei dem Gedanken an Politiker oft das unsägliche Zitat eines ihresgleichen im Ohr:

Es sei unfair, Parteien nach der Wahl an dem zu messen, was sie vor der Wahl versprochen hätten!

Wie bitte? Dem vorzubeugen könnten wir doch eine Ausbildung – mindestens aber einen Intensiv-Workshop – für angehende Politiker zur Pflicht machen. Viele von den jetzigen Volksvertretern haben ihre politische Arbeit von der Pike auf gelernt. Und es wäre bestimmt übertrieben, alle über einen Kamm zu scheren. Berliner Parkettkriege im Reichstag sind bestimmt eine andere Liga als kommunalpolitische Realpolitik. Dennoch existiert Politik-Verdrossenheit unter der deutschen Bevölkerung, und das liegt neben unglücklicher Außendarstellung gleichermaßen daran, dass es womöglich an Qualität mangelt. Zu beheben entweder mit einem grandiosen PR-Berater, der es versteht, die Massen zu mobilisieren. Diese PR-Berater leisten bei vielen Politikern gute Arbeit. Bei anderen beißen sie sich die Zähne aus. Oder wie sind Äußerungen zu erklären, die da lauten:

„Ein uncharmanter Kollege meinte, Sie hätten mit Müllsäcken besser ausgesehen“ http://www.bbv-net.de/public/bildershowinline/aktuelles/politik/deutschland/21738?skip=7&refback=/|homeneu

Und daher plädiere ich für die unabhängige Qualifikation der Politiker. Anwendung finden sollten die Ausprägung und Verinnerlichung der von Weber postulierten Eigenschaften: „Man kann sagen, dass drei Qualitäten vornehmlich entscheidend sind für den Politiker: Leidenschaft – Verantwortungsgefühl – Augenmaß. http://www.textlog.de/2283.html

Und die rigorose Vermeidung einer anderen Eigenschaft, die gegenwärtig – vielleicht schon seit Attika – fälschlicherweise oft die Oberhand gewinnt. Eitelkeit. Niemand braucht sie in der Politik. Und nach der Qualifikation, dem Einimpfen von Leidenschaft – Verantwortungsgefühl – Augenmaß kommt ein einfaches Instrument hinzu: die Qualitätsprüfung. Ganz simple Überprüfung jeglicher Politiker. Man werfe mir vor, dies würde die Bürokratie ins Unermessliche erhöhen. Dies würde eine effektive Arbeit der Parlamentarier behindern. Ein bisschen womöglich. Aber wenn das halbe arbeitnehmende Land vom Controlling-Wahn heimgesucht wird, warum nicht auch da?!

Es gibt sie ja, die Personen, die sich ganz in den Dienst der Menschen stellen. Doch bis sich dieser Typus durchsetzt, braucht es Know-How und Basisarbeit. Wenn für fast alles Experten und Consulting-Agenturen engagiert werden, dann könnten wir doch auch mal am richtigen Punkt ansetzen.

Und nebenbei:

(C.M.)

Sinn von Angst – Sinn der Enge

In Gesellschaft, kurz erwähnt, Spiritualität on 26. Mai 2009 at 06:18

Die Fragestellung nach dem »Sinn« unserer heutigen Welt besteht zu Recht, da die bloße Quantifizierung oder die Isolierung zu einer materiellen Sinnlosigkeit führen, ja bereits weitgehend geführt haben. Dass aber diese Frage nach dem »Sinn« überhaupt gestellt werden kann, dürfte doch wohl nichts anderes heißen, als dass der Sinn – in Frage gestellt ist. Die Sprache sagt immer mehr aus, als wir mit unserem fixierten, sektorhaften Denken und Erfassen realisieren.

Sei dem, wie ihm wolle, was uns hier interessiert, ist die Feststellung: die evolutionistische Vorstellung, die nach vorn, auf die Zukunft gerichtet ist, ist aus ihrer Einseitigkeit heraus genau so illusorisch, wie es die traditionalistische Einstellung ist, die sich, nur das Einheitliche erfühlend und erhörend, nach rückwärts wendet. Diese heute die Menschheit ängstigende Fragestellung, die sie in die Enge, nämlich in die engste Enge, also in die Angst treibt, entwuchs dieser Angst selber.

Wir wollen besonders auf den Zusammenhang von »Angst« und »eng« hinweisen, weil in letzter Zeit mit der sogenannten »Urangst« eine teils magisierende, teils mythisierende Aufbauschung getrieben wird, die unnötig die defizienten Mächte und keineswegs etwa die effizienten Kräfte der magischen und mythischen Bewußtseinsstrukturen in uns aktiviert und damit die heutige Situation nur verworrener macht, statt sie zu klären. Die Schürer dieser Angst sind, den jeweils vorherrschenden Strukturen entsprechend, teils die Vitalisten und Emotionalisten, teils die Psychisten, wenn nicht sogar weitgehend die Nichts-als-Psychologen, sowie jene Okkultisten, welche die nicht eingesehenen Grundkräfte dieser Strukturen ununterschieden aktivieren; nachher sind sie freilich, falls es ihnen überhaupt je zum Bewußtsein kommt, höchlichst überrascht, wenn das unwissend Getane, das immer magisch ist, bedrohend auf sie zurückschlägt. So werden sie Opfer ihres eigenen Tuns; und unfähig, den entfesslten Mächten allein standzuhalten, gehen sie, selbst schon Getriebene, mit der dann auftretenden »Urangst« hausieren, um doch irgendwo sich als Treiber, sei es selbst nur einer Herde, zu fühlen.

Angst entsteht immer dort – sei es nun im Einzel-, im Sippen-, im Völker- oder im Menschheitsleben -, wo aus der Erschöpfung einer Haltung die Ausweglosigkeit aus dieser Haltung bewußt oder unbewußt evident wird, weil diese Ausweglosigkeit nun nicht mehr den Machtcharakter, sondern den Ohnmachtcharakter der betreffenden erschöpften, also kraftlos gewordenen Haltung spiegelt. Angst ist stets das erste Anzeichen dafür, dass eine Mutation in ihren Ausdrucks- und Wirkugsmöglichkeiten zum Ende gekommen ist, so dass sich neue Kräfte stauen, die, da sie sich stauen, Beengung hervorrufen. Im Kulminationspunkt der Angst werden diese Kräfte sich jeweils befreien; das aber ist dann stets gleichbedeutend mit einer neuen Mutation. So gesehen ist die Angst die große Gebärerin.

Die Angstorgien der Rennaissance, beispielsweise ihre Totentänze und ihre maßlosen Weltuntergangsphantasien, brechen durchaus nicht zufällig genau in dem Moment ab, da die Perspektive durch Leonardo da Vinci wirkende Gestallt annimmt. Jene Angstorgien stehen in einem ursächlichen Konnex mit dem Durchbruch zu einer notwendigen, neuen Weltdimension, durch welche die dreidimensionale persprektivische Welt endgültig konstituiert wurde. Und die heutigen Angstorgien, Weltuntergangsphantasien und Massenpsychosen dürften parallele Erscheinungen der gleichen Art sein, wie es jene der Rennaissance waren.

(J.G.)

Kreuzburg KW 17&18

In Kreuzburg on 20. Mai 2009 at 09:55

KW 17: Alte Männer

http://www.kenfm.de/podcast/kenfm_2009_kw17_kreuzburg.mp3

KW 18: Unterhaltung

http://www.kenfm.de/podcast/kenfm_2009_kw18_kreuzburg.mp3

Leidensdruck

In kurz erwähnt on 20. Mai 2009 at 08:26

Heute stellen wir uns mal folgendes vor: Wir sind Ende 20. Weiblich. Und aus dem schönen Russland. Man lebt in Deutschland. Erzieht allein zwei Jungs im Alter von 5 und 6 Jahren. Nebenbei jobben wir in einem Kindergarten für den Lebensunterhalt. Dazu noch ein Teilzeitstudium. Bis jetzt ja schon eine Leistung, die ehrenwert ist. Nehmen wir weiter an, dass die folgenden Dinge so der Wahrheit entsprechen wie sie mir zugetragen wurden: Die Wohnung brennt. Alle kommen mit dem Schrecken davon. Versicherung? Fehlanzeige. Woher soll ich wissen, dass ich eine Versicherung brauche. Jetzt? Schulden. Möbel kaputt. Dokumente verbrannt. Leben im Mutter-Kind-Heim. Dann neue Wohnung besorgen. Anträge auf Unterstützung von den Institutionen abgelehnt. Komplett neue Möbel müssen her. Gekauft im Laden für Zweite-Hand-Möbel, so etwas wie eine Möbelbörse. Dann eine Wohnung gefunden, die renovierungsbedürftig ist, doch der Vermieter sagt, wer mehr will, muss es selbst machen. Und nach vielen Stunden Eigenleistung und Unterstützung von fremden Menschen, da Freunde und Bekannte komischerweise bei so etwas keine Zeit haben, sieht es mittlerweile ganz passabel aus. Noch ein wenig Farbe an die Wand und das Leben kann weitergehen. Mit Schuldenabbau, jeden Pfennig umdrehen, Behördenanträge für jeden Euro, Zeitmanagement für Kinder, Job und Studium. Deutsch lernen oben drauf. Und dennoch nicht den Optimismus verloren. Davor habe ich Respekt und überlege mir meine alltäglichen Probleme nicht größer zu machen als sie sind.

Internetsperrlisten gegen Kinderpornografie – Ein offener Brief an Befürworter

In Aktuell, Gesellschaft, Multimedia, Politik on 8. Mai 2009 at 01:40

Ich denke, wir sind uns einig, dass Kinderpornografie ein absolut scheußliches und gravierendes Verbrechen ist, das seelische Traumata und oft auch körperliche Langzeitschäden verursacht und daher mit allem Nachdruck bekämpft werden muss. Es geht also darum, wirksam dagegen vorzugehen. Ich verstehe, dass es auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, Webseiten zu sperren, damit sie nicht mehr einfach so erreichbar sind, aber der erste Blick täuscht leider in einem so komplizierten Sachverhalt.

Wir sind also auf der Suche nach wirksamen, aber auch verhältnismäßigen Instrumenten zur Bekämpfung von Kinderpornografie. Ich respektiere Politiker, die ernsthaft im Interesse des Volkes handeln und dazu gehört auch, sich einzugestehen, sich in bestimmten sehr spezifischen Fachgebieten nicht gut auszukennen. Das ist kein Problem und auch Teil unserer Demokratie, denn Politiker sind Entscheider, nicht notwendigerweise aber Fachmänner und -frauen.
Dafür hat der Bundestag den wissenschaftlichen Dienst, Expertenanhörungen, Sachverständige und weitere Instrumente, um den Politikern die Einarbeitung in diese Gebiete massiv zu erleichtern.

Wenn nun aber, wie im Beispiel der Sperrung von kinderpornographischen Webseiten, sich die Experten über die Nichtwirksamkeit einig sind, sollte dies also Gehör finden. Frau von der Leyens Kommentar war, dass die Qualität der Gutachten jedoch “unterirdisch” sei.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,607264,00.html

Sollte dies wirklich der Fall sein, stimmt etwas mit dem wissenschaftlichen Dienst nicht. Dann wäre es ein strukturelles Problem des Regierungsablaufes und die betreffenden Experten des wissenschaftlichen Dienstes sollten schnellstens ausgetauscht werden. Anderenfalls sollten sich die Ministerin und auch Anhänger ihrer Argumentation ernsthaft Ǵedanken über ihre Position machen.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich gehe mit ihren Zielen absolut konform, doch der Lösungsansatz ist ein anderer. Ich schlage objektiv wirksame Methoden vor, die noch dazu keine negativen Seiteneffekte nach sich ziehen.

Der falsche Ansatz

Zugegebenermaßen würde die Sperrung den Zugang ein wenig erschweren, doch dies hat in Ländern, die Sperrlisten verwenden, nicht zur Eindämmung von Kinderpornografie geführt:

Unsere Sperrmaßnahmen tragen leider nicht dazu bei, die Produktion von Webpornografie zu vermindern“, bilanzierte der Chef der Polizeiermittlungsgruppe gegen Kinderpornografie und Kindesmisshandlung in Stockholm, Björn Sellström.
http://www.focus.de/magazin/kurzfassungen/focus-schwedens-polizei-aeussert-zweifel-an-wirksamkeit-von-internet-sperren-gegen-kinderpo_aid_384873.html

Ich möchte nun auf die Gründe der fehlenden Wirksamkeit eingehen:
Die Sperrlisten können prinzipiell nicht helfen, die Kinderpornographieindustrie zu schwächen, denn eine solche Industrie gibt es höchst wahrscheinlich gar nicht. Ein Anwalt, der oft Mandanten mit derartiger Beschuldigung vertritt, schreibt dazu:

Lassen wir aber jene beiseite, die unschuldig verdächtigt werden. Nehmen wir nur die Internetnutzer, bei denen tatsächlich Kinderpornos auf Datenträgern gefunden werden. Keiner, ich wiederhole, keiner der in den letzten anderthalb Jahren dazu gekommenen Mandanten hat auch nur einen Cent für das Material bezahlt.”
und

Kein einziger jedoch hat seine Tauschpartner bezahlt. Und diese Tauschpartner haben auch nichts verlangt. Selbstverständlich wertet die Polizei in den allermeisten Fällen auch aus, woher die Dateien kamen. Bezahlseiten sind nicht darunter. Auch verdächtige Überweisungen etc. werden nicht festgestellt.”
http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/03/25/die-legende-von-der-kinderpornoindustrie/

Auch das LKA München bestätigt, dass es keine solche Kinderpornographieindustrie gibt :
http://www.sueddeutsche.de/panorama/813/465404/text/19/

Kinderpornografie entsteht also zum größten Teil als Nebenprodukt von Kindesmisshandlung, nicht andersherum. Daher kann die Websperre gar nicht im Kampf gegen Kindesmisshandlung helfen.

Begehrlichkeiten

Und ein weiterer Effekt konnte in diesen Ländern beobachtet werden:
Die Listen beinhalten nun nicht mehr nur Kinderpornografieseiten, sondern auch Seiten von politischen Gruppen und sogar Zahnärzte befinden sich darauf (hier das Beispiel Australien:
http://www.heise.de/newsticker/Australische-Internet-Sperrliste-in-der-Debatte–/meldung/134943).

Dies zeigt zwei schwerwiegende Gefahren der Listen:
Erstens werden von solchen Möglichkeiten Begehrlichkeiten geweckt werden, sei es zur Sperrung von radikalen Webseiten oder auch Lobbyarbeit von Rechteinhabern, der “Contentindustrie”, denn “die Möglichkeiten sind ja vorhanden”:

Die viel gelobten skandinavischen Länder zeigen bereits die Richtung: In Schweden versuchte die Polizei 2007 auf Lobbydruck hin, Adressen der Tauschbörsen-Suchmaschine Pirate Bay auf die Kinderporno-Sperrliste zu heben. Ähnliches ereignete sich 2008 in Dänemark.”
und
Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie, hakte sich sogleich bei der Ministerin ein: „Der Vorstoß der Familienministerin zum Verbot von Kinderpornografie im Internet ist ein richtiges Signal. Es geht um gesellschaftlich gewünschte Regulierung im Internet, dazu gehört auch der Schutz des geistigen Eigentums. Längst wurden sogar Forderungen laut, nach denen auf die Liste auch gewaltverherrlichende Inhalte und Glücksspielangebote gehören.“
http://www.heise.de/ct/Die-Argumente-fuer-Kinderporno-Sperren-laufen-ins-Leere–/artikel/135867

Ich erinnere weiterhin an die negative und anfänglich abgestrittene Entwicklung um die Mautdatennutzung, Kontostammdatenabfrage oder die Vorratsdatenspeicherung.

Zweitens wird es keine Möglichkeit geben, generell gegen diese missbräuchliche Nutzung vorzugehen, da die Listen ja geheim sein sollen. Es wird also schleichend zu einer Zensierung des Internets kommen.

Somit geschieht die Einrichtung einer geheimen, durch den Bürger nicht kontrollierbaren Filterliste ohne für unsere Zielstellung hilfreich zu sein. Wäre diese Maßnahme im mindesten hilfreich, wäre die Diskussion eine andere. Es gibt aber wirklich wirksame Alternativen:

Alternativen

Eine Analyse der Sperrlisten von anderen Ländern (u.a. Schweden, Australien) zeigt, dass 96 % der gesperrten Seiten in westlichen Ländern angeboten werden, in denen Kinderpornografie auch illegal ist (USA, Australien, Kanada, Deutschland und den Niederlanden).
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,619509,00.html

Will man also mit vorhandenen Mitteln 96% der Kinderpornografie effektiv ausschalten, würde es genügen, wenn die Polizeien der Länder kooperieren und sich gegenseitig die Webseitenlisten zur Verfügung stellen würden, sodass jeder sich um die Angebote im eigenen Land kümmern könnte. Ein großer Teil wird zum Beispiel in Deutschland angeboten. Eine einfache Mail an den betreffenden Provider reichte immer aus, die Seite sofort komplett vom Netz zu nehmen:

Der Deutsche Kinderschutzbund e.V. z.B. hat ein derartiges Experiment gemacht:
“Das Ergebnis: acht US-amerikanische Provider haben die Domains innerhalb der ersten drei Stunden nach Versand der Mitteilung abgeschaltet. Innerhalb eines Tages waren 16 [der 17] Adressen nicht mehr erreichbar”
http://www.heise.de/ct/Die-Argumente-fuer-Kinderporno-Sperren-laufen-ins-Leere–/artikel/135867

Auch Alvar Freude vom Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur) probierte die vorgeschlagene Methode: „Innerhalb von 12 Stunden wurden 60 kinderpornographische Internet-Angebote gelöscht.“
http://ak-zensur.de/2009/05/loeschen-funktioniert.html

Warum erst jetzt?

Zu der oft angeführten Behauptung, bei der Besitzverschaffung von Kinderpornografie durch das Internet sei von 2006 auf 2007 ein Zuwachs von 111% festgestellt worden (von 2.936 auf 6.206 Fälle), muss folgendes bedacht werden.

Diese Zahl stimmt zwar, aber auch sie muss sinnvoll und richtig interpretiert werden. Ein “Fall” von Besitzverschaffung ist nur eine diesbezügliche Anzeige, keine Verurteilung. So entsteht diese hohe Zahl hauptsächlich durch die Aktion Himmel http://www.lawblog.de/index.php/archives/2008/11/20/aktion-himmel-keine-verurteilungen-aber-ein-erfolg/ Dabei wurde – einer Rasterfahndung gleich – mit einem Schlag gegen 12.000 Verdächtigte ermittelt. Ausdrücklich nur ermittelt, denn es gab keinen einzigen Schuldspruch, wenige Einstellungen gegen Geldbuße, aber sehr viele Verfahrenseinstellungen wegen fehlender Verdachtsmomente. Eine differenzierte Analyse der Kriminalstatistik zeigt, dass es keinen Zuwachs gibt:
http://mogis.wordpress.com/2009/04/29/kern-der-debatte/

Dies zeigt, dass sich die Situation keineswegs verändert hat, also hätte schon viel früher entschieden gehandelt werden müssen, erst jetzt, im Superwahljahr 2009, kommt das Thema in den Fokus.

Die Bevölkerung

In einer Umfrage von Infratest gaben über 90% der Befragten an, keine Sperren zu befürworten, wenn die Inhalte aus dem Netz gelöscht werden könnten:
http://www.zeit.de/online/2009/22/netzsperren-umfrage?page=all

Dies zeigt auch eine ePetition gegen Internetsperren, die schon von über 100.000 Menschen unterzeichnet wurde:
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860

Weiterhin wurde sogar ein Verein der Missbrauchsopfer gegen Internetsperren gegründet, denn “Ursula von der Leyen instrumentalisiert Opfer für ihre Kampagne. Diese nutzt nichts und macht mich erneut zum Opfer.” sagt einer, der selbst als Kind missbraucht wurde.
http://www.zeit.de/online/2009/17/netzsperren-missbrauch

Abschluss

Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Websperren nachweislich nicht helfen und noch dazu eine undurchsichtige Filterinfrastruktur geschaffen wird, die rein technisch gesehen für eine Zensur des Internets genutzt werden kann und vermutlich bald zweckentfremdet werden wird.

Ich möchte nun noch ergänzend auf einige Seitenargumente eingehen,
welche z.B. prominent auf Tagesschau.de verwendet worden sind:
http://www.tagesschau.de/inland/kommentar274.html

> Bis zu 450.000 Klicks täglich – allein in Deutschland! Diese Zahl an sich ist bereits erschreckend.

Diese Zahl ist erstens nicht gesichert, da Frau von der Leyen bisher jegliche Begründung, woher die Zahlen stammen, schuldig blieb, zweites muss diese Zahl, so sie denn stimmen sollte, richtig interpretiert werden. Niemand weiß, was hier mit einem Klick gemeint ist. Geht es um einzigartige IP-Adressen (unique IPs), geht es um Verbindungsaufbaue, sind Webcrawler/ Suchmaschinen/ Wurmscans (Internethintergrundrauschen) bereits herausgerechnet? Und drittens, auch wenn es nur 450 Klicks wären, würden die oben von mir genannten Maßnahmen helfen.

> Sollte auch nur ein Kind weniger missbraucht, gequält und lebenslänglich seelisch verkrüppelt
> werden, hat sich die Initiative bereits gelohnt.

Dies ist ein Totschlagargument und wenig zielführend. Mit dieser Argumentation wäre es sogar sinnvoller für Rauchverbot von Eltern oder Geschwindigkeitslimits für Autos mit Kindern auf Autobahnen, bessere Ausrüstung der Kriminalpolizei oder gesunde Mahlzeiten in Schulen, mehr Personal in Kinderkrankenhäusern oder intensivere psychologische Beratung und Behandlung von Pädophilen, längere Strafen für verurteilte Kinderschänder usw. zu kämpfen.

Anmerkung: Oft wird argumentiert, dass es keiner großen technischen Befähigung bedarf, die Filterlisten in 27 Sekunden zu umgehen http://www.youtube.com/watch?v=1NNG5I6DBm0, doch das ist kontraproduktiv, denn die akkurate Antwort wäre dann, die Zensur einfach technisch anders und besser auszugestalten.

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Schreib mal wieder!

In Uncategorized on 7. Mai 2009 at 10:58

Einige Zeit war es schwierig für mich, die Auswirkungen der Krise zu verstehen. Letztlich habe ich sie persönlich noch nicht gesehen. Bisher wurden keine Lebensmittelmarken ausgegeben und ich habe noch keine Menschen wahrgenommen, die sich um einen Laib Brot zanken. Gut, die gegenwärtige Krise steht unter anderen Vorzeichen als die Krisen der letzten Jahrhunderte. Es ist in erster Linie eine Krise der wirtschaftlichen Institutionen, die global agieren und Wirtschaftsbereiche konstruieren. Doch zieht sie, die Krise, neben Aktionären, die ihre Ersparnisse verloren haben, auch die Arbeitnehmer hinein. Wenn ein Unternehmen beispielsweise jedes Jahr 100 Personen einstellt, bei steigendem Gewinn, dann sind es diese Arbeitnehmer, die in Zeiten der Stagnation oder während Phasen sinkender Gewinnmargen zuerst zur Disposition stehen. Der Fluch des Kapitalismus. Gestern jedenfalls wurde mir das erste Mal bewusst, wie nah die globale Krise ist. Und ich möchte alle Leser auffordern, ihr entgegen zu treten und sie zu bekämpfen!

Wie?

Wir schreiben Briefe! Briefe? Ja, die Form der Kommunikation, die vor der E-Mail, SMS oder dem Telefonat trendy war. Schreibt jeden Tag einen Brief. Sagt der Familie, das Ihr sie liebt. Sagt den Freunden, das Ihr sie gern leiden mögt. Sagt dem Vermieter, wie zufrieden Ihr in Eurem Wohnumfeld seid. Überhaupt, teilt jedem wie in den sozialen Netzwerken ala Twitter mit, was ihr so treibt und denkt. Gut, etwas asynchron ist es schon. Aber Ihr rettet damit unzählige Arbeitsplätze! Macht mit!!!

Warum?

Gestern legte die Deutsche Post AG ihren Bericht für das erste Quartal 2009 vor. Die Eckdaten lesen sich dann wie folgt: Der Konzern musste im ersten Quartal 2009 einen Gewinneinbruch von 12,9% verzeichnen. Oh mein Gott! Diese Wahnsinnszahl bewirkt ein lächerliches Umsatz-Ergebnis von 11,5 Milliarden Euro. Schlappe 11,5 Milliarden Euro. Ich hoffe, der Vorstand und der Aufsichtsrat können noch ruhig schlafen. Aber ich denke eher nicht, denn Umsatzzahlen sagen per se nichts über die Situation eines Unternehmens aus. Die Situation ist prekär. Notfallpläne werden geschmiedet und Rettungsanker geworfen. Der reine Gewinn liegt nur bei 944 Millionen Euro. Wesentlicher Grund dafür sei die positive Bewertung von 26,4 Millionen Aktienoptionen. In deren Folge die Bewertung je Aktie von 38 auf 72 Cent stieg.

Also geht es der Post schlecht? Nicht ganz so schlecht? Halbschlecht?

Die Post-Parole der Stunde lautet: Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich! Dieses Instrumentarium zieht immer! Der Konzern streicht den möglichen Gewinn ein. Nutzt die Gewinne für Investitionen und natürlich für die Auszahlung an die Aktionäre. Wer ist denn Eigner an der Post? Rund 30% gehören der KfW Bankengruppe, 63% sind institutionelle Aktionäre in Form der USA, GB, Frankreich, Deutschland und weiteren Ländern. Dazu noch 7% Privataktionäre. Und alle wollen Gewinn sehen. Rendite auf ihr frisches Kapital was sie dem Konzern zur Verfügung stellten. 1.209.015.874 Aktien. Das ist die Post.

Fassen wir zusammen: Für den Vorstand und den Aufsichtsrat kam die Nachricht völlig überraschend, dass stets Wachstum und Überbietung von Gewinnzahlen nicht immer garantiert sind. Ausbaden muss es wieder der Arbeitnehmer. Mehrarbeit um Jobs zu sichern. Jobs sichern über Gewinnmaximierung. Aber eines dürfen wir nicht vergessen. Wer bereit für Opfer ist, der wird belohnt werden. Wenn die Krise überwunden ist, die Konzerngewinne wieder sprudeln, dann bin ich mir sicher, dass der gemeine Arbeitnehmer auch etwas bekommt. Nachdem die Vorstände mit Boni ausgestattet wurden, der Aufsichtsrat fürs Krisenmanagement gelobt und entlohnt wurde, der Aktionär Rekordrenditen erhält, dann bekommt sicherlich auch jeder Mitarbeiter per Deutschen Post AG einen Dankesbrief.

Bis dahin schreiben wir und schreiben und schreiben und schreiben und schreiben und schreiben. Den Anfang mache ich jetzt. Ich werde meiner Mathematiklehrerin aus der Grundschule einen Brief schreiben. Sie sagte damals, aus Dir wird nie etwas. Du bist einfach zu einfach gestrickt. Die wird sich wundern, wenn sie meinen Lebenslauf lesen wird. Ha!

http://www.dp-dhl.de/dp-dhl?tab=1&skin=hi&check=yes&lang=de_DE&xmlFile=2010780

Das Problem mit der Entwicklungshilfe

In Uncategorized on 3. Mai 2009 at 20:16

Hilfe für Afrika mal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

Mehr solcher Videos auch zu finden unter:

http://www.ted.com/index.php/themes

Das 1. Mai Phänomen

In Uncategorized on 2. Mai 2009 at 03:49

Ich versteh es nicht, bitte hilf mir jemand, dieses 1.Mai Polizei-Demonstranten Katz und Maus Spiel zu verstehen.

Jedes Jahr pilgern 1000e Menschen nach Berlin. Auch unser Freund und Helfer in millitärischer Rüstung, die Polizei, um uns vor uns selbst zu schützen, mit Schlagstöcken, Helm und Schild. In alter Rittertradition also, oder Schlag den Mai… Aber dies ist ein anderes Thema.  Viel wichtiger ist der Punkt, dass unsere gepanzerten Beschützer in Grün von unserem selbsternannten, von uns gewählten Regierungsapperat eingesetzt werden und hier Unmengen von Steuergeldern ausgegeben werden. Sicherlich Arbeitsplätze werden hiermit viele geschaffen, jedenfalls könnten diese, unsere Steuergelder und diese Arbeitskraft und Fähigkeiten unserer grünen Leibgarde, welche dem Volk zur Verfügung gestellt wird, denn sie steht im Dienste des Volkes,  durchaus auch sinnvoller eingesetzt werden. Wie und wofür? Dazu können hier an dieser Stelle als Kommentar gerne Vorschläge gebracht werden.

Der 1. Mai, ich kann mich nicht erinnern, wann das letzte mal schlechtes Wetter war am 1. Mai. Sonne, blauer Himmel, die Straßen sind voll mit Menschen aller Art und Alters. Es ist ein Volkstag. In den Straßen wird gegrillt,  getanzt, gefeiert. Man trifft sich, redet, redet auch lauter und schreit letztendlich in Chören heraus, was man denkt. Heute darf man das ja, dazu ist  doch der 1. Mai da! Kritik üben, auch mal laut werden. Aber wozu nur braucht man dafür dieses Polizeiaufgebot? Dafür dass ein paar Leute laut ihre Meinung kund tun. Die provozieren ja auch, die mit ihrer Uniform, mit ihrer Rüstung! ,  da wird man ja auch agressiv…Und die Anderen, die zweite Gruppe, warum machen die jedes Mal so einen Stress, schwarzer Block, verbirgt sich hinter stylischen Sonnenbrillen und schwarzen Masken,  längst schon eine Mode und  sucht Schutz und Legitimation für das Tun in platten, politischen Parolen, veraltet und ohne Konzept. Wogegen wird überhaupt bei diesem albernen Maitanz protestiert? Kritik, die an jedem anderen Tag geäußert werden sollte und nicht nur einmal im Jahr obligatorisch.

Was ich aber auch nicht verstehe, und hier sehe ich viel eher den Lösungsansatz: warum macht die dritte Gruppe nichts? Warum schaut ihr nur zu und schweigt, wenn die Stimmung sich aufheizt, wenn dein Nachbar plötzlich ne Flasche schmeißt oder nen Pflasterstein in die Hand nimmt, oder auf einmal mit schwarzer Maske neben dir steht? Warum warten wir, dass uns die grünen Männchen beschützen, was sie ja sowieso nicht tun. Warum lassen wir zu, dass diese Gewalt entsteht in unserem Kiez! Warum lassen wir jedes Jahr von neuem zu, dass dieser schöne Volkstagauf die gleiche Weise endet? An jedem anderen Tag im Jahr würde das nicht gehen.Warum gibt es keine bunte Eingreiftruppe, die sich zwischen Polizei und den schwarzen Block stellt? Oder direkt in der U1/15 schon ansprechen „und heute wieder Bock auf Schlägerei? Nur als Idee, einfach gerne mal offensiv verbal den Kampf suchen…

Deutschland ich frage mich, wann wirst du endlich volljährig, kommst endlich aus deiner bequemen Opferecke heraus und machst den Mund auf, wenn dir etwas nicht passt. und änderst es aber auch und wartest nicht auf Papi, damit er dir die Schuhe zubindet.

(A.V.)