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Spende ich? Spende ich nicht?

In Uncategorized on 14. August 2009 at 19:28

Das ist hier die Frage.

Heute fand ich beim Aufräumen einen unausgefüllten Organspendeausweis. Wie dieser unter meinen Kleiderschrank gelangte, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, oder ich glaube zu wissen, dass ihn mir eine Freundin vor einiger Zeit gab. Ich weiß auch nicht, ob ich ihn ausfüllen sollte. Nun sitze ich hier und werde den Weg meiner Entscheidungsfindung darlegen. Eine Art Reality–Doku-Blog.

Wenn ich kurz darüber nachdenke, ob es in irgendeiner Form Gründe dafür geben könnte, dass ich diesen Ausweis nicht ausfüllen würde, so fallen mir keine ein. Bin nicht religiös oder in sonst einer Art an meine (dann überflüssigen) Organe gekettet. Nun, dann könnte ich den Ausweis eigentlich ausfüllen, oder?! Aber zuerst noch ein wenig Online-Recherche. Man möchte ja auch sicher sein, was man unterschreibt.

Zuerst auf Wikipedia zusteuern und einlesen.http://de.wikipedia.org/wiki/Organspende Da lese ich also, dass die Organspende vollzogen werden kann, wenn zwei qualifizierte Ärzte voneinander unabhängig den Hirntod feststellen. Und diese dürfen nicht an der weiteren Prozedur beteiligt sein oder der Weisung eines beteiligten Arztes unterstehen. Klingt plausibel. Dann wird beschrieben welche Formen der Spende es gibt. Lebend- oder Tod-Spende und was gespendet werden kann. Interessant ist dann der Passus über die ethischen Positionen oder Kritik an der Organspende. Nun, die da aufgeführten Aspekte sind mir eigentlich egal. Ob der Hirntod tatsächlich eingetreten ist, wie es definiert wird, kann ich dann sowieso nicht entscheiden. Ich vertraue da auf die Kompetenz der Ärzte. Und ob meine Leber einem in irgendeiner Form abhängigen Menschen transplantiert wird, macht auch keinen Unterschied. Denn wenn es um die Spende geht, steht für mich nicht in erster Linie ein altruistischer Gedanke im Vordergrund. Eher pragmatisch frage ich mich: „Was soll ich denn mit meinen Organen sonst anstellen?“

Aus erweitertem Interesse an der Thematik steuere ich via Suchmaschine auf eine weitere Seite. Und was ich da lese, verwundert mich doch arg. Obgleich immer wieder in den Medien der „Organspendemangel“ beklagt wird und die endlos langen Wartelisten thematisiert werden, hätte ich nicht gedacht, dass im Jahr 2008 lediglich 1198 Organspender verzeichnet werden konnten (http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/37622/Regierungsbericht_sieht_Akzeptanzprobleme_bei_Organspende.htm). Gut, diese Zahl sagt wenig über die weiteren Ausweise in den Geldbörsen potentieller Spender aus. Aber irgendwie niedrig erscheint sie mir schon. Unabhängig der Seite der Spender finde ich es erstaunlich, dass womöglich Krankenhäuser obgleich einer Meldepflicht, wohl keine Meldungen machen.

Gleich ob ich selbst in die Situation gerate, zur Verlängerung meines Lebens auf eine Organspende angewiesen zu sein, nehme ich nun den Ausweis zur Hand. Im beigefügten Beiwort von Frau Lompscher, Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz hier in Berlin lese ich, dass jedes Jahr 1000 Menschen sterben, weil ihnen nicht rechtzeitig mit einer passenden Organspende geholfen werden konnte. Noch ein Grund mehr ihn jetzt auszufüllen.

Und ich merke wie ich manchmal ticke. Eigentlich ja nicht ignorant, fehlt mir doch manchmal der nötige Schubser. Und jetzt wo ich meine Unterschrift auf den Ausweis platziere, nehme ich nun meine Blutspendeabsicht wieder ernst. Klingt echt doof, aber jetzt wo man was gemacht hat, merkt man, wie einfach Dinge manchmal sein können.

Ausweis zum Ausdrucken gibt es unter: http://www.organspende-info.de/