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Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

Kapitän Ahab und der Wahlgesang

In Gesellschaft on 11. September 2009 at 12:05

In früheren Jahren war es für mich immer relativ einfach zur Wahl zu gehen. Das Studium der Wahlprogramme brachte stets ein relativ klares Ergebnis. Das Spektrum der Auswahl war relativ klar in Schubladen zu kategorisieren. Von ganz rechts bis ganz links gab es Wahlmöglichkeiten. Ganz nach Gusto wurde gewählt. In der sich anschließenden Legislaturperiode wetterte die Opposition und deren Anhängerschaft über die unglaublich schlechte Politik der Regierungsparteien. Die eigene Wählerklientel war auch nicht immer zufrieden. Aber rechtzeitig zum neuen Wahlkampf gab man sich geläutert. Stellte neue Wahlkampfprogramme auf und alles begann von vorn. Die Wahlbeteiligung war nie besonders erfreulich, aber einigermaßen befriedigend.

Und heute? In diesen Tagen des Wahlkampfes komme ich mir vor wie Kapitän Ahab. Ich tauche jeden Tag aufs Neue in die Fluten des politischen Meeres und versuche mit der Harpune meine mir zugehörige Partei zu erlegen. Doch ich bekomme das Gefühl, dass alle Parteien gleich sind. Lediglich kleinere Abweichungen als Zugeständnis an die Stammwähler. Aber ansonsten sind alle irgendwie liberal-konservativ, links-mitte-zentrum mit Lobbyisten für alles und jeden.

Da kommen mir die Schlagzeilen der letzten Wochen in den Sinn. Und ich schüttel nur erschrocken mit dem Kopf. Da versuchen die Berufspolitiker zur Erhaltung oder zum Ausbau ihrer Macht mit jeglichen Mitteln Stimmen zu generieren. Die gute Frau Ministerin und ihre Autoaffäre machten den Anfang. Dann kommt die leidige Opel-Geschichte. Rechtzeitig vor der Wahl wurde dann die Akte „Opel“ erst einmal geschlossen. Interessanterweise mit der Kritik, dass das beschlossene Konzept nicht umzusetzen sein wird. Aber was solls? Nach der Wahl ist eh alles immer anders. Aus dem Nichts tauchen plötzlich auch alte Berichte über die Sicherheitsbedenken zum Endlager Gorleben aus dem Jahr 1983 auf. Mensch, wie schlecht das Timing mit den Tanklastern in Afghanistan ist. Wenig programmatische Streitigkeiten um die Sache. Alle sind bemüht den Ball flach zu halten. Und irgendwie wird mir schlecht.

Ich verstehe die vielen Menschen, die nicht wählen gehen. Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen ihr Kreuz der Wahl nicht tragen wollen. Es ändert sich ja eh nichts. Die sind doch alle unglaubwürdig. Erinnert Euch an den Satz von Müntefering, dass es unfair sei, Politiker an den Wahlversprechen zu messen. Mit einer überdurchschnittlichen Wahlbeteiligung ist 2009 nicht zu rechnen.

Aber was nicht vergessen werden darf ist die Tatsache, dass wir das Glück haben, in einem Land zu leben, in dem es jedem Bürger erlaubt ist, seine Meinung kund zu tun. Man mag sich über die Grenzen der Anwendung dieses Grundgesetzes trefflich streiten können. Aber nur wenn wir wählen, wenn wir bereit sind unserem Bezirks-, Landtags-, und Bundestagsabgeordneten zu schreiben, Petitionen zu zeichnen, an Diskussionen im Kreis der Familie, mit Freunden und Versammlungen teilzunehmen, dann nehmen wir am demokratischen Prozess teil. Es ist mit Sicherheit eine deutliche Meinungsäußerung, wenn man nichts macht. Doch diese Form des Protests bringt nichts. Es ist ja das, was Politiker gelegen kommt. Wenn niemand aufbegehrt, dann sind die Diäten sicher! Also, auch wenn es schwer fallen mag, wenn alles als Einheitssoße daherkommt. Gehen wir wählen! Und mischen wir uns ein!

zur Entscheidungsfindung:

http://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2009/main_app.php

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Die Geschichte der sauberen Energie

In Aktuell, Ökologie, Gesellschaft, Links, Politik on 10. September 2009 at 18:32

Am vergangenen Samstag demonstrierten mehr als 50.000 Menschen in Berlin gegen eine Renaissance der Atomenergie.
Nachdem der Ausstieg bereits beschlossen war, schließen vor allem Politiker der CDU und FDP eine Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke nicht länger aus.
Im Zuge dieser Entwicklung erlangt das alte Streitthema Atomenergie neue Brisanz – und wird in diesen Wochen von diversen Zeitungen wiederholt aufgegriffen. Und weil ich es nicht besser sagen könnte, hier eine kleine Zusammenstellung der schönsten Artikel.

Zunächst die Asse II – eine politisch forcierte Festlegung des Standortes, jahrelanges Verschleiern über die tatsächliche Menge von verschüttetem radioaktiven Abfall, katastrophale Zustände in einem einsturzgefährdeten Salzstock – entgegen der ursprünglichen Beteuerungen, das Eindrigen von Wasser sei extrem unwahrscheinlich, sickern täglich etwa 12000 Liter ins Gestein.

http://www.sueddeutsche.de/politik/889/482352/text/

Auch die Eignung des Standortes Gorleben für ein potentielles Endlager verlief anscheinend unter massiver Einflussnahme der Politik – die Rede ist u.a. von geschönten Gutachten.

http://www.sueddeutsche.de/politik/518/486929/text/

Schließlich resultieren diese Erkenntnisse, die für die meisten nicht total überraschend kommen, in der Schlagzeile vom Albtraum der Atompolitik:

http://www.zeit.de/2009/37/Energie?page=2

Noch mehr detaillierte Informationen liefert das Dossier der dieswöchigen Ausgabe der ZEIT und für alle, die nicht gern so viel lesen – in 10 Minuten Panorama stecken auch die wichtigsten Informationen.

http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/2907730;jsessionid=D6A5786A18A747F988DD38B64D616FD6

So viel also zur sauberen Energie und zum sicheren Endlager…

Das eigene Quantum Macht II

In Gesellschaft, Spiritualität on 12. Juli 2009 at 15:34

Die Welt um mich herum erscheint mir zuweilen als schlecht, ja brutal und ungerecht. Die Menschen zerstören und schänden ihre Umwelt und sich selbst. Ich sehe dies und oft durchströmt mich Hilflosigkeit, verfalle ich in Trauer gepaart mit Angst um unsere Zukunft. Existentielle Ängste sind das und die Frage nach dem Sinn des Lebens, speziell nach meiner Rolle in diesem Leben, dieser Gemeinschaft, auf diesem Planeten stellt sich. Ich möchte nicht aufgeben, nicht zusehen, wie unsere Welt verkommt und wir uns selbst krank machen.

Aber was kann ich dagegen tun? Allein kann ich nichts tun. Diese Aussage ist meiner Meinung nach eine Ausrede, aus welchen Gründen auch immer sie benutzt wird. Auch wird sie mir und jedem der sie nutzt nicht gerecht. Sie ist entgegen unserem Selbstbewusstsein, macht uns kleiner als wir sind, stellt unsere persönliche Macht und Einfluss auf unser Leben und Umwelt in den Schatten. Es ist diese Art von Faulheit, wie ich sie nennen möchte, Bequemlichkeit auch Angst vor der Stellungname und dem Aufwand, dem Engagement. Dieses still sein und warten, Verantwortung abschieben hat einen fauligen Beigeschmack und verbreitet diese negative Energie, die unseren Körper und Geist in Disharmonie schwingen lässt.

Und bitte jeder von uns kann etwas tun, es ist seine Verantwortung vor seinen Mitmenschen. Deine Freude ist meine Freude und dein Leid ist mein Leid, ob ich das will oder nicht, wir sind alle Eins. Wie ein großer Schwarm und jeder Fisch bestimmt die Richtung. Hält sie oder kann durch sein Vorbild auf seinen Nachbarn wirken. Gut, wir können etwas tun, nun sag was?! Meiner Meinung nach besteht unsere größte Wirkungskraft vor allem im Konsum und der Kommunikation von Wissen. Mit unserem Konsum beeinflussen wir den Markt. Die Welt ist kapitalistisch. Das an sich ist nicht schlecht, wie wir ihn fabrizieren, celebrieren, das ist schlecht. Ausbeutung, Mehrwert, Wachstum. Wir leben im Massenkonsumzeitalter und genau dieser Massenkonsum ist es, welcher uns schädigt. in unserer Welt wird soviel nutzlos gekauft, produziert, viel zuviel, und viel zuviel nutzen wir nicht, umsonst produziert, wird weg geschmissen, fehlt an anderer Stelle. Wir brauchen nicht diese Massen an Nahrungsmitteln in der westlichen Welt, brauchen weniger Energie und Strom, lasst uns doch bescheidener leben! Wir müssen bescheidener Leben, wenn wir überleben wollen. Bescheidener Leben fängt bei uns an. Wir wirken auf den Markt. Und unser Luxus ist nur bedingt Luxus, wenn es uns mental nicht gut geht. Unterbewusst wissen wir doch auf wessen Kosten wir leben. Macht uns das glücklich, den Schmerz Millionen von Menschen zu fühlen, um den Hunger und die Armut unserer Mitmenschen zu wissen? Ich kann nicht ruhig schlafen bei dem Gedanken und Verdrängung ist ein Stress der unter der Oberfläche brodelt und wächst, dieses Geschwür, welches ich mal nicht Krebs nennen möchte, breitet sich aus.

Wir Menschen veralbern uns selbst, und ich habe keine Lust mehr auf Fremdbestimmung. Ich kenne um meine Taten und mein Wirken. Ich bin kein kleines Kind. Ich wurde zwar dressiert wie ein Hund, und mit kulturellen und gesellschaftlichen Regeln gefüttert, aber mein Gott gab mir auch ein Bewusstsein und die Fähigkeit zu reflektieren, und die Fähigkeit mit Liebe zu agieren, und auch die Mittel mich mit meinen Mitmenschen auszutauschen.Die Kommunikation, die Verbreitung des Wissens. Wissen ist Macht und sollte nicht Einzelnen zustehen. Wissen ist ein Allgemeingut und hilft bei der Entwicklung, der Evolution des Menschen. Wir sind eine Gemeinschaft, erinnern wir uns! Zusammen und nur Zusammen können wir existieren.

(A.V.)

(d)ICHotomie des Lebens?

In Gesellschaft on 24. Juni 2009 at 18:44

Es ist bereits kein allzu neues Phänomen mehr. Jeder kann immer und überall jedem seinen gegenwärtigen Gemütszustand oder Aktivitäten offenbaren. Dann wird es in die Welt „gezwitschert“ oder dazu genutzt Freunden oder Fremden seinen „Space“ zu zeigen. Wenn ich mir sonst über diese Dinge Gedanken gemacht hatte, dann deshalb, weil nur allzu viele Menschen allzu sorglos mit ihren Daten umgehen. Aber in letzter Zeit beschäftigt mich dabei ein anderer Aspekt. Vor einiger Zeit stoße ich auf eine Status-Meldung, bei der eine junge Dame beklagt, dass einer ihrer Nachbarn sein unverschlüsseltes W-Lan nun verschlüsselt hätte. Anstatt aber sich nun für diesen Menschen womöglich zu freuen, darüber dass dieser nun nicht mehr so leicht ausgenutzt werden kann, beschwert sich die Frau auf Bitterliche und schreckt auch nicht zurück ihn auf gröbste Art und Weise zu beleidigen. Und es ging noch weiter. Die Frau, fragte via Internet ihre „Freunde“, zu den ich merkwürdigerweise auch gehöre, obwohl ich sie nicht kenne, ob nicht jemand bereit wäre, für sie einen Internet-Vertrag abzuschließen. Sie selbst könnte wohl nicht, weil sie Einträge in der Schufa hätte. Was soll man davon halten? Sie hatte es ernst gemeint. Ich bezweifle, dass diese Ausformung menschlicher Egozentrik jemals großartig anders strukturiert war. Womöglich ist die Fixierung auf seiner Selbst ein natürlicher Teil der menschlichen Natur. Jedoch bezweifle ich, dass Mutter Natur dies so vorgesehen hat, wie es häufig praktiziert wird. Dass wir nach Nahrung streben – okay. Dass wir ein Heim – eine eigene Höhle unser Eigen nennen wollen – okay. Jedoch vermehrt die Ellenbogen ausfahren? Gleich worum es geht? Es ist schon stark vereinfacht skizziert. Es steht außer Frage, dass gewisse Formen menschlicher Interaktion Konflikte hervorbringen kann. Nur gebietet doch die gute Sitte niemanden auszunutzen oder zum eigenen Wohl schlecht zu behandeln. Moral? Jemand, der bei sich ist und so erkennt, dass er womöglich dieses oder jenes in seinem Leben verändern möchte, der kann auch andere nachteilig damit beeinflussen. Partner, Chefs, Mitarbeiter oder die Familie. In diesem Zusammenhang geschieht es jedoch aus gänzlich anderen Beweggründen als Liegstuhl-per-Handtuch-Reservierungen auf Mallorca. Genauer gefragt: Sind wir Opfer der Umstände? Oder kommt es direkt von uns? Eine Mischung? Bedingt aus den gesellschaftlichen Entwicklungen? In einem Klima des Wettbewerbs, das nicht nur im Beruf auf die Menschen wirkt, sondern gleichermaßen im Familienkreis oder durch Freunde vermittelt wird, lernen wir früh: Es ist nicht das Schlechteste, der Beste zu sein. Oft auch gleich mit welchen Mitteln dies erreicht wird. Dieser Eifer unsere 4jährigen Sonnenscheine in Elite-Kindergärten stecken zu wollen? Oder selbige zu vernachlässigen, weil sie nerven und einen in seiner Zeit- und Freizeit-Planung doch beeinflussen? Hätte einem ja früher gesagt werden können. Oder ist dies normal? Das womöglich, in Anlehnung an Paul Nolte´s Generation Reform, wir uns eine kleine Welt aufbauen. Mit Sicherheit und Wohlbehagen. Und was da draussen – ausserhalb der Sippe – geschieht, ist dann die Jagd. Und somit alle Mittel erlaubt. Es heißt ja auch, dass der Mann von seiner Natur her nicht monogam angelegt sein kann. Fragen über Fragen. Nicht das wir uns falsch verstehen. Streben nach etwas. Sich Träume erfüllen. Hart zu arbeiten. Sich etwas aufbauen. Alles kein Thema. Jedoch: Wenn das eigene Handeln andere ganz wesentlich in ihrer Freiheit beraubt – wenn das eigene Handeln zu Lasten anderer Personen geht, sei es emotional oder auch materiell – dann ist dies schlecht. Mehr nehmen als geben. Die ungeteilte Zweiteilung des Seins. Böse. Pfui. Es heißt doch so schön: Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Ich jedenfalls finde es traurig. Viele Menschen lassen sich in Gefüge und Systeme integrieren, die dauerhaft und gravierend zu ihren Lasten gehen. Stumpfen irgendwie ab. Folgen irrigen Vorstellungen zu Glücks- und Seligkeitsversprechen. Nutzen Menschen aus. Kosten mit jeder Faser potentielle Macht im Leben aus. Oder täusche ich mich etwa? Alles halb so wild? Kein Ich will – Ich brauch – Ich muss – Ich Ich Ich? Gut, stark vereinfacht. Überzogen. Aber dadurch nicht weniger bedenkenswert. „Wer Genügen findet am Genügenden, der wird immer genug haben.“ (Lao-Tse. Kap.48)

Sinn von Angst – Sinn der Enge

In Gesellschaft, kurz erwähnt, Spiritualität on 26. Mai 2009 at 06:18

Die Fragestellung nach dem »Sinn« unserer heutigen Welt besteht zu Recht, da die bloße Quantifizierung oder die Isolierung zu einer materiellen Sinnlosigkeit führen, ja bereits weitgehend geführt haben. Dass aber diese Frage nach dem »Sinn« überhaupt gestellt werden kann, dürfte doch wohl nichts anderes heißen, als dass der Sinn – in Frage gestellt ist. Die Sprache sagt immer mehr aus, als wir mit unserem fixierten, sektorhaften Denken und Erfassen realisieren.

Sei dem, wie ihm wolle, was uns hier interessiert, ist die Feststellung: die evolutionistische Vorstellung, die nach vorn, auf die Zukunft gerichtet ist, ist aus ihrer Einseitigkeit heraus genau so illusorisch, wie es die traditionalistische Einstellung ist, die sich, nur das Einheitliche erfühlend und erhörend, nach rückwärts wendet. Diese heute die Menschheit ängstigende Fragestellung, die sie in die Enge, nämlich in die engste Enge, also in die Angst treibt, entwuchs dieser Angst selber.

Wir wollen besonders auf den Zusammenhang von »Angst« und »eng« hinweisen, weil in letzter Zeit mit der sogenannten »Urangst« eine teils magisierende, teils mythisierende Aufbauschung getrieben wird, die unnötig die defizienten Mächte und keineswegs etwa die effizienten Kräfte der magischen und mythischen Bewußtseinsstrukturen in uns aktiviert und damit die heutige Situation nur verworrener macht, statt sie zu klären. Die Schürer dieser Angst sind, den jeweils vorherrschenden Strukturen entsprechend, teils die Vitalisten und Emotionalisten, teils die Psychisten, wenn nicht sogar weitgehend die Nichts-als-Psychologen, sowie jene Okkultisten, welche die nicht eingesehenen Grundkräfte dieser Strukturen ununterschieden aktivieren; nachher sind sie freilich, falls es ihnen überhaupt je zum Bewußtsein kommt, höchlichst überrascht, wenn das unwissend Getane, das immer magisch ist, bedrohend auf sie zurückschlägt. So werden sie Opfer ihres eigenen Tuns; und unfähig, den entfesslten Mächten allein standzuhalten, gehen sie, selbst schon Getriebene, mit der dann auftretenden »Urangst« hausieren, um doch irgendwo sich als Treiber, sei es selbst nur einer Herde, zu fühlen.

Angst entsteht immer dort – sei es nun im Einzel-, im Sippen-, im Völker- oder im Menschheitsleben -, wo aus der Erschöpfung einer Haltung die Ausweglosigkeit aus dieser Haltung bewußt oder unbewußt evident wird, weil diese Ausweglosigkeit nun nicht mehr den Machtcharakter, sondern den Ohnmachtcharakter der betreffenden erschöpften, also kraftlos gewordenen Haltung spiegelt. Angst ist stets das erste Anzeichen dafür, dass eine Mutation in ihren Ausdrucks- und Wirkugsmöglichkeiten zum Ende gekommen ist, so dass sich neue Kräfte stauen, die, da sie sich stauen, Beengung hervorrufen. Im Kulminationspunkt der Angst werden diese Kräfte sich jeweils befreien; das aber ist dann stets gleichbedeutend mit einer neuen Mutation. So gesehen ist die Angst die große Gebärerin.

Die Angstorgien der Rennaissance, beispielsweise ihre Totentänze und ihre maßlosen Weltuntergangsphantasien, brechen durchaus nicht zufällig genau in dem Moment ab, da die Perspektive durch Leonardo da Vinci wirkende Gestallt annimmt. Jene Angstorgien stehen in einem ursächlichen Konnex mit dem Durchbruch zu einer notwendigen, neuen Weltdimension, durch welche die dreidimensionale persprektivische Welt endgültig konstituiert wurde. Und die heutigen Angstorgien, Weltuntergangsphantasien und Massenpsychosen dürften parallele Erscheinungen der gleichen Art sein, wie es jene der Rennaissance waren.

(J.G.)

Internetsperrlisten gegen Kinderpornografie – Ein offener Brief an Befürworter

In Aktuell, Gesellschaft, Multimedia, Politik on 8. Mai 2009 at 01:40

Ich denke, wir sind uns einig, dass Kinderpornografie ein absolut scheußliches und gravierendes Verbrechen ist, das seelische Traumata und oft auch körperliche Langzeitschäden verursacht und daher mit allem Nachdruck bekämpft werden muss. Es geht also darum, wirksam dagegen vorzugehen. Ich verstehe, dass es auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, Webseiten zu sperren, damit sie nicht mehr einfach so erreichbar sind, aber der erste Blick täuscht leider in einem so komplizierten Sachverhalt.

Wir sind also auf der Suche nach wirksamen, aber auch verhältnismäßigen Instrumenten zur Bekämpfung von Kinderpornografie. Ich respektiere Politiker, die ernsthaft im Interesse des Volkes handeln und dazu gehört auch, sich einzugestehen, sich in bestimmten sehr spezifischen Fachgebieten nicht gut auszukennen. Das ist kein Problem und auch Teil unserer Demokratie, denn Politiker sind Entscheider, nicht notwendigerweise aber Fachmänner und -frauen.
Dafür hat der Bundestag den wissenschaftlichen Dienst, Expertenanhörungen, Sachverständige und weitere Instrumente, um den Politikern die Einarbeitung in diese Gebiete massiv zu erleichtern.

Wenn nun aber, wie im Beispiel der Sperrung von kinderpornographischen Webseiten, sich die Experten über die Nichtwirksamkeit einig sind, sollte dies also Gehör finden. Frau von der Leyens Kommentar war, dass die Qualität der Gutachten jedoch “unterirdisch” sei.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,607264,00.html

Sollte dies wirklich der Fall sein, stimmt etwas mit dem wissenschaftlichen Dienst nicht. Dann wäre es ein strukturelles Problem des Regierungsablaufes und die betreffenden Experten des wissenschaftlichen Dienstes sollten schnellstens ausgetauscht werden. Anderenfalls sollten sich die Ministerin und auch Anhänger ihrer Argumentation ernsthaft Ǵedanken über ihre Position machen.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich gehe mit ihren Zielen absolut konform, doch der Lösungsansatz ist ein anderer. Ich schlage objektiv wirksame Methoden vor, die noch dazu keine negativen Seiteneffekte nach sich ziehen.

Der falsche Ansatz

Zugegebenermaßen würde die Sperrung den Zugang ein wenig erschweren, doch dies hat in Ländern, die Sperrlisten verwenden, nicht zur Eindämmung von Kinderpornografie geführt:

Unsere Sperrmaßnahmen tragen leider nicht dazu bei, die Produktion von Webpornografie zu vermindern“, bilanzierte der Chef der Polizeiermittlungsgruppe gegen Kinderpornografie und Kindesmisshandlung in Stockholm, Björn Sellström.
http://www.focus.de/magazin/kurzfassungen/focus-schwedens-polizei-aeussert-zweifel-an-wirksamkeit-von-internet-sperren-gegen-kinderpo_aid_384873.html

Ich möchte nun auf die Gründe der fehlenden Wirksamkeit eingehen:
Die Sperrlisten können prinzipiell nicht helfen, die Kinderpornographieindustrie zu schwächen, denn eine solche Industrie gibt es höchst wahrscheinlich gar nicht. Ein Anwalt, der oft Mandanten mit derartiger Beschuldigung vertritt, schreibt dazu:

Lassen wir aber jene beiseite, die unschuldig verdächtigt werden. Nehmen wir nur die Internetnutzer, bei denen tatsächlich Kinderpornos auf Datenträgern gefunden werden. Keiner, ich wiederhole, keiner der in den letzten anderthalb Jahren dazu gekommenen Mandanten hat auch nur einen Cent für das Material bezahlt.”
und

Kein einziger jedoch hat seine Tauschpartner bezahlt. Und diese Tauschpartner haben auch nichts verlangt. Selbstverständlich wertet die Polizei in den allermeisten Fällen auch aus, woher die Dateien kamen. Bezahlseiten sind nicht darunter. Auch verdächtige Überweisungen etc. werden nicht festgestellt.”
http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/03/25/die-legende-von-der-kinderpornoindustrie/

Auch das LKA München bestätigt, dass es keine solche Kinderpornographieindustrie gibt :
http://www.sueddeutsche.de/panorama/813/465404/text/19/

Kinderpornografie entsteht also zum größten Teil als Nebenprodukt von Kindesmisshandlung, nicht andersherum. Daher kann die Websperre gar nicht im Kampf gegen Kindesmisshandlung helfen.

Begehrlichkeiten

Und ein weiterer Effekt konnte in diesen Ländern beobachtet werden:
Die Listen beinhalten nun nicht mehr nur Kinderpornografieseiten, sondern auch Seiten von politischen Gruppen und sogar Zahnärzte befinden sich darauf (hier das Beispiel Australien:
http://www.heise.de/newsticker/Australische-Internet-Sperrliste-in-der-Debatte–/meldung/134943).

Dies zeigt zwei schwerwiegende Gefahren der Listen:
Erstens werden von solchen Möglichkeiten Begehrlichkeiten geweckt werden, sei es zur Sperrung von radikalen Webseiten oder auch Lobbyarbeit von Rechteinhabern, der “Contentindustrie”, denn “die Möglichkeiten sind ja vorhanden”:

Die viel gelobten skandinavischen Länder zeigen bereits die Richtung: In Schweden versuchte die Polizei 2007 auf Lobbydruck hin, Adressen der Tauschbörsen-Suchmaschine Pirate Bay auf die Kinderporno-Sperrliste zu heben. Ähnliches ereignete sich 2008 in Dänemark.”
und
Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie, hakte sich sogleich bei der Ministerin ein: „Der Vorstoß der Familienministerin zum Verbot von Kinderpornografie im Internet ist ein richtiges Signal. Es geht um gesellschaftlich gewünschte Regulierung im Internet, dazu gehört auch der Schutz des geistigen Eigentums. Längst wurden sogar Forderungen laut, nach denen auf die Liste auch gewaltverherrlichende Inhalte und Glücksspielangebote gehören.“
http://www.heise.de/ct/Die-Argumente-fuer-Kinderporno-Sperren-laufen-ins-Leere–/artikel/135867

Ich erinnere weiterhin an die negative und anfänglich abgestrittene Entwicklung um die Mautdatennutzung, Kontostammdatenabfrage oder die Vorratsdatenspeicherung.

Zweitens wird es keine Möglichkeit geben, generell gegen diese missbräuchliche Nutzung vorzugehen, da die Listen ja geheim sein sollen. Es wird also schleichend zu einer Zensierung des Internets kommen.

Somit geschieht die Einrichtung einer geheimen, durch den Bürger nicht kontrollierbaren Filterliste ohne für unsere Zielstellung hilfreich zu sein. Wäre diese Maßnahme im mindesten hilfreich, wäre die Diskussion eine andere. Es gibt aber wirklich wirksame Alternativen:

Alternativen

Eine Analyse der Sperrlisten von anderen Ländern (u.a. Schweden, Australien) zeigt, dass 96 % der gesperrten Seiten in westlichen Ländern angeboten werden, in denen Kinderpornografie auch illegal ist (USA, Australien, Kanada, Deutschland und den Niederlanden).
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,619509,00.html

Will man also mit vorhandenen Mitteln 96% der Kinderpornografie effektiv ausschalten, würde es genügen, wenn die Polizeien der Länder kooperieren und sich gegenseitig die Webseitenlisten zur Verfügung stellen würden, sodass jeder sich um die Angebote im eigenen Land kümmern könnte. Ein großer Teil wird zum Beispiel in Deutschland angeboten. Eine einfache Mail an den betreffenden Provider reichte immer aus, die Seite sofort komplett vom Netz zu nehmen:

Der Deutsche Kinderschutzbund e.V. z.B. hat ein derartiges Experiment gemacht:
“Das Ergebnis: acht US-amerikanische Provider haben die Domains innerhalb der ersten drei Stunden nach Versand der Mitteilung abgeschaltet. Innerhalb eines Tages waren 16 [der 17] Adressen nicht mehr erreichbar”
http://www.heise.de/ct/Die-Argumente-fuer-Kinderporno-Sperren-laufen-ins-Leere–/artikel/135867

Auch Alvar Freude vom Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur) probierte die vorgeschlagene Methode: „Innerhalb von 12 Stunden wurden 60 kinderpornographische Internet-Angebote gelöscht.“
http://ak-zensur.de/2009/05/loeschen-funktioniert.html

Warum erst jetzt?

Zu der oft angeführten Behauptung, bei der Besitzverschaffung von Kinderpornografie durch das Internet sei von 2006 auf 2007 ein Zuwachs von 111% festgestellt worden (von 2.936 auf 6.206 Fälle), muss folgendes bedacht werden.

Diese Zahl stimmt zwar, aber auch sie muss sinnvoll und richtig interpretiert werden. Ein “Fall” von Besitzverschaffung ist nur eine diesbezügliche Anzeige, keine Verurteilung. So entsteht diese hohe Zahl hauptsächlich durch die Aktion Himmel http://www.lawblog.de/index.php/archives/2008/11/20/aktion-himmel-keine-verurteilungen-aber-ein-erfolg/ Dabei wurde – einer Rasterfahndung gleich – mit einem Schlag gegen 12.000 Verdächtigte ermittelt. Ausdrücklich nur ermittelt, denn es gab keinen einzigen Schuldspruch, wenige Einstellungen gegen Geldbuße, aber sehr viele Verfahrenseinstellungen wegen fehlender Verdachtsmomente. Eine differenzierte Analyse der Kriminalstatistik zeigt, dass es keinen Zuwachs gibt:
http://mogis.wordpress.com/2009/04/29/kern-der-debatte/

Dies zeigt, dass sich die Situation keineswegs verändert hat, also hätte schon viel früher entschieden gehandelt werden müssen, erst jetzt, im Superwahljahr 2009, kommt das Thema in den Fokus.

Die Bevölkerung

In einer Umfrage von Infratest gaben über 90% der Befragten an, keine Sperren zu befürworten, wenn die Inhalte aus dem Netz gelöscht werden könnten:
http://www.zeit.de/online/2009/22/netzsperren-umfrage?page=all

Dies zeigt auch eine ePetition gegen Internetsperren, die schon von über 100.000 Menschen unterzeichnet wurde:
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860

Weiterhin wurde sogar ein Verein der Missbrauchsopfer gegen Internetsperren gegründet, denn “Ursula von der Leyen instrumentalisiert Opfer für ihre Kampagne. Diese nutzt nichts und macht mich erneut zum Opfer.” sagt einer, der selbst als Kind missbraucht wurde.
http://www.zeit.de/online/2009/17/netzsperren-missbrauch

Abschluss

Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Websperren nachweislich nicht helfen und noch dazu eine undurchsichtige Filterinfrastruktur geschaffen wird, die rein technisch gesehen für eine Zensur des Internets genutzt werden kann und vermutlich bald zweckentfremdet werden wird.

Ich möchte nun noch ergänzend auf einige Seitenargumente eingehen,
welche z.B. prominent auf Tagesschau.de verwendet worden sind:
http://www.tagesschau.de/inland/kommentar274.html

> Bis zu 450.000 Klicks täglich – allein in Deutschland! Diese Zahl an sich ist bereits erschreckend.

Diese Zahl ist erstens nicht gesichert, da Frau von der Leyen bisher jegliche Begründung, woher die Zahlen stammen, schuldig blieb, zweites muss diese Zahl, so sie denn stimmen sollte, richtig interpretiert werden. Niemand weiß, was hier mit einem Klick gemeint ist. Geht es um einzigartige IP-Adressen (unique IPs), geht es um Verbindungsaufbaue, sind Webcrawler/ Suchmaschinen/ Wurmscans (Internethintergrundrauschen) bereits herausgerechnet? Und drittens, auch wenn es nur 450 Klicks wären, würden die oben von mir genannten Maßnahmen helfen.

> Sollte auch nur ein Kind weniger missbraucht, gequält und lebenslänglich seelisch verkrüppelt
> werden, hat sich die Initiative bereits gelohnt.

Dies ist ein Totschlagargument und wenig zielführend. Mit dieser Argumentation wäre es sogar sinnvoller für Rauchverbot von Eltern oder Geschwindigkeitslimits für Autos mit Kindern auf Autobahnen, bessere Ausrüstung der Kriminalpolizei oder gesunde Mahlzeiten in Schulen, mehr Personal in Kinderkrankenhäusern oder intensivere psychologische Beratung und Behandlung von Pädophilen, längere Strafen für verurteilte Kinderschänder usw. zu kämpfen.

Anmerkung: Oft wird argumentiert, dass es keiner großen technischen Befähigung bedarf, die Filterlisten in 27 Sekunden zu umgehen http://www.youtube.com/watch?v=1NNG5I6DBm0, doch das ist kontraproduktiv, denn die akkurate Antwort wäre dann, die Zensur einfach technisch anders und besser auszugestalten.

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Essentielle Fragen

In 5 Fragen, Gesellschaft, kurz erwähnt, Spiritualität on 16. April 2009 at 01:54

Das Leben ist das Wertvollste, was wir haben. Ja, das eigene Leben, das ein und ausatmen. Wie wenig ist mir das manchmal bewusst. Ja, wie oft vergesse ich das täglich? All diese Selbstverständlichkeiten um uns herum, alltägliche Kleinigkeiten, das alles ist einfach da! Einfach da…und viele von uns haben vergessen, was es überhaupt wert ist, fließendes Wasser zu haben. Essen. Wärme.

Unsere Gesellschaft hat es geschafft uns diese existentiellen Bedürfnisse zu gewährleisten. Wir haben das gemeinsam geschafft. Allzu oft vergessen wir den Preis, den es dafür zu zahlen gillt. Es geht hier um das Bewusstsein, um das Wissen. Wir leben den Göttern gleich und wie wir aus Legenden wissen, gibt es der Götter nur wenige, verglichen mit der Anzahl der Menschen.

Zivilisationen stehen sich gegenüber und saugen sich gegenseitig aus. Die Stärkere die Schwächere, jeder isst das Fleisch des anderen. Wovon ernährst du dich? Wer arbeitet außer dir noch für deinen Wohlstand? Woher kommt diese Selbstverständlichkeit des Nehmens? Die Missachtung des Wunders genannt Leben durch stumpfes treten im Trott. Ich sollte mich schämen, für jede Sekunde, die ich mein Leben nicht bewusst lebe, das Leben nicht genieße und respektiere.

Götter können Wunder vollbringen. Wann können wir endlich das größte Wunder vollbringen, indem wir aufhören uns selbst zu zerstören und damit uns gegenseitig und unsere Umwelt? Wie oft müssen wir sterben bevor wir endlich erwachen?

A.V.

Suchbild

In Aktuell, Gesellschaft, kurz erwähnt on 1. April 2009 at 16:09

Frage:

Was ist den beiden Bildern gemeinsam?

Antwort:

Auf beiden fehlen die Sicherheitskräfte?

____________________________________________________________

Ein kleiner Scherz zum Fest. April, April.

Verdammte Finanzkrise, verdammte Wirtschaft, verdammte Bänker, Egomanen, Spielertypen. Verantwortungslose Spekulan- ten.

Also wenn ich könnte, dann würde ich aber richtig die Sau raus lassen und den Laden mal so Richtig kurz und klein machen. Ob das Sinn hat? Ja es hat Sinn, sich, von Zeit zu Zeit, vom cholerischen Samenstau zu erleichtern! Der Druck muss doch irgendwie raus, oder was. Sollen wir uns denn, beschissen wie wir schon sind, auch noch Gallensteine züchten, bis zu Koliken? Nein, da ist es doch um einiges angenehmer, wenn ein paar böse Steine-, Stinkbomben- und Farbbeutelwerfer, aus dem mysteriösen, gewaltbereiten „Schwarzen Block“ heraus, stellvertretend für UNS ALLE, medial nett aufbereitet, ein paar Scheiben einschmeißen und DIEBE (als ob das was Neues wäre) an die Lobbyfassade schmieren. Damit haben wir, DAS VOLK  (jedoch in Ermangelung der arbeitenden Mitmenschen nur der frisch pubertäre  Anteil, um ein paar ewig  Kindische ergänzt)  gezeigt, wozu wir bereit und fähig sind. Die Strippenzieher unserer kleinen Weltverschwörung sollten lieber auf uns hören, sonst gibts richtig Randale, das haben die jetzt davon.

Da die Nachrichten natürlich zufällig und die Sicherheitskräfte  ebenso natürlich(?), aus irgendwelchen Gründen,  nicht zur Stelle waren, weiß jetzt jeder von uns, dass der Bankenlobby einer ausgewischt worden ist. Toll. Jetzt haben wir den Druck abgelassen und wenden uns beruhigt wieder dem Einerlei zu.

Hier noch ein kleiner Artikel. Woher schon?  Genau, aus der Zeit: »Du dumme Sau!«

Stellt sich nur noch die Frage, was man mit den „Großstadtterroristen“ nun anfangen soll? Strafmündig sind sie ja noch nicht.

M.J.H.N.

Berufswahl

In Gesellschaft on 31. März 2009 at 19:40

oder: Ramona und Rene stecken doch in jedem von uns.

Jeder steht mindestens einmal in seinem Leben vor der Frage nach der Berufswahl. Was will ich werden? Wo will ich hin? Einige streben dabei eher nach Selbstverwirklichung. Andere nach dem schnöden Mammon. Mein Haus, mein Auto, meine Frau, die ich mit meiner Sekretärin betrüge.
Es ist schon eigenartig, dass seit mehreren Jahren in zyklischen Bahnen die Bildungsmisere der Bundesrepublik beweint wird. In der Umsetzung streiten sich die Leistungsprinzips-Befürworter mit alternativen Schulformen-Propagandisten, die dem Kind die Wahl lassen. In allem die Wahl. Womöglich anti-autoritär und liebend gern harmonisch. Bitte, gern. Die Wirtschaft beklagt die mangelnde Qualifikation ihrer Bewerber. Die Lehrer beklagen die Überlastung. Und die Politiker? Die Politiker sind natürlich eifrig am diskutieren. Das kann sich über mehrere Legislaturperioden erstrecken. Die eigenen Kinder sind ja dank der Diäten und außer-parlamentarischen Bezüge in „Nebenjobs“ abgesichert. Es wäre durchaus interessant einmal statistisch zu erheben, ob die Sprösslinge der Abgeordneten sich mit dem Pöbel auf einer staatlichen Schule herumschlagen müssen. Insgesamt liegt die Lösung doch so nah.

Wir lösen die gymnasiale Oberstufe auf. Nun, nicht ganz auflösen. Eine Einführung von Schulentgelten würde schon reichen. Die Lehrer würden lediglich die elitären Kinder unterrichten. Das ganze Gerede von gesellschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit verhindert letzten Endes die Lösung des Problems. Aufstiegschancen? Wozu? Die Elite bleibt die Elite. Die scheinbaren Aufsteiger können mit einem guten Gehalt in Alibi-Jobs ruhig gestellt werden. Und der Rest? Der Rest hat nach der 8. Klasse die Schule abgebrochen. Viel zu viel Lebenszeit des Menschen, in seiner Funktion als Ressource, geht für Qualifikation drauf. Früher sind die Buben doch auch durch die Stollen und Schächte gerobbt? Learning by doing – or die tryin´. Vorbilder gibt es doch überall, die zeigen, dass es auch anders zu gehen scheint.

Da wären Ramona und René. Ramona und René waren in einer dieser so genannten „Reality-Doku“ zu sehen. Der Plot: René dreht Erotik-Filme und Ramona hat auch schon solche Filme gedreht. Ist aber nun eifersüchtig, weil René mit einer Darstellerin simst. Aber der große Stein des Anstosses ist, dass Ramonas Mama nicht versteht, dass ihre Tochter solche Filme dreht. Insgesamt sehr unterhaltsam. Durch einen Zufall spielt ein Bekannter, Ramonas Mama Bilder ihrer Tochter zu. Und ein Freund des Paares hat klammheimlich eine DVD mit ihrem Porno entwendet, der nun in die Hände der Mama zu fallen droht. Es folgen Aussprachen mit Renés Mama, die ihren Pimper-Nachwuchs cool findet und Ramonas Mama, die tief enttäuscht ist von ihrer Ramona. Es folgt ein Happy End. Denn Ramona möchte keine Filme mehr drehen. Und alle haben sich wieder lieb.

Einige Wochen später grinst den Zuschauer erneut Ramona durch die Flimmerkisten-Mattscheibe an. Diesmal ist Ramona geil. Ja, Ramona ist geil. Aber René hat nach der Arbeit einfach keine Böcke auf seinen steilen Zahn. Kubrick hätte es besser nicht inszenieren können. Die Kamera filmt über Renés Schulter, während er mit der Fernbedienung in der Hand durchs Programm zappt. Neben dem Fernseher steht seine Angebetete, oder eben auch nicht so sehr Angebetete, in Dessous. Ein wenig unheiss vom Körper, ein bisschen verbraucht durchs Solarium, Tattoo am Bauch und blonde Strähnchen. Mensch, da steht die arme Ramona und will doch nur beglückt werden. Immer wieder berichtet Ramona der Kamera, wie sehr sie doch darunter leide. Arme Ramona.

Mit ein wenig Recherche – Google – kann der geneigte Fan erfahren, dass Ramona und René für den Streifen „Stutentausch – Vol.1“ im Hardcore-Bereich vor der Kamera standen. René wahrscheinlich mehr als Ramona.

In dieser Reportage war auch Annina zu sehen, die gerade im Big Brother-Haus ihrem Freund oder Bekannten oder wem auch immer, regelmäßig das Rohr reinigt. Mit der Hand oder dem Mund. Egal. Was muss – das muss. In dem erwähnten Beitrag berichtet sie von ihrer vorangegangenen Nacht, in der sie zwei junge Österreicher vernaschte und sexuell voll auf ihre Kosten kam.

Oder eine junge Dame. Daniela. Daniela machte sich auch mit Reality-Dokus einen Namen. Es wäre wohl falsch davon auszugehen, dass sie berechnend mit 13 schwanger und dadurch zig Mal durch Doku-Reihen begleitet wurde. Die „jüngste Mama Deutschlands“ war wahrscheinlich einfach nur doof. Oder naiv. Oder beides. Heutzutage, sieben Jahre nach der Geburt des Kindes, kann es schon mal vorkommen, dass diese Dame auf einmal verheiratet ist. Und sich in einem Koch-Battle mit ihrer „Schwiegermutter“ misst.

Was uns diese Beispiele zeigen? Wer braucht denn Qualifikation? Diese sich ungebremst vermehrenden Reality-Formate bestehen voll und ganz ohne Qualität und Qualifikation. Es wäre doch gelacht, wenn wir nicht alle Menschen in dieses System integrieren könnten. Bei RTL hat letztens auch eine Agentur-Chefin geklagt, dass es so wenig Nachwuchs gibt. Ihr fehlen die Familien, die ihre Kinder schlagen, in denen die Partner fremdgehen und alle Beteiligten so erfrischend „echt“ sind. Gehen wir es an. Ich sehe überall Potenzial. Das Ziel heisst:

Sei geil – sei doof – sei schwanger – und sei so Teil einer Reality-Doku. Deutschland – Du hast das Fernsehprogramm, das Du verdienst.

(C.M.)

Wunscherfüllung I

In Gesellschaft, Nicht lachen - machen!, Spiritualität on 10. März 2009 at 01:31

Wenn Wünsche anfangen lebendig zu werden…

In der unseren, der heutigen, der westlich geprägten Welt, scheinen Wünsche nur durch das heilige TV-Gerät in Erfüllung zu gehen, wo spendable Medienkonzerne und Produktionsfirmen dafür, sorgen, dass Familien zusammengeführt, neue Häuser für arme Familien gebaut, ein neues Auto mit Schminkschrank und eingebautem Goldfischaquarium für die Tochter gepimt wird, oder durch ein hippes Outfit à la H&M oder Pimky inklusive VIP-Party Promi-Frisur, jeder mit jedem sofort ein Date bekommen kann.
Ja, das ist schon toll, fragt sich nur warum sich keiner wünscht, dass Menschen anfangen sich ihre Wünsche selbst zu erfüllen?
Hier kommen wir zu dem alten Trick mit der Fee:
„Du hast 3 Wünsche frei, was wünschst du dir?“
Antwort: 1. Ich wünsche, mir dass ich unendlich viele Wünsche frei habe, damit ich von dir lieber Fee unabhängig bin…
2. Ich wünsche mir, dass ich meine Wünsche klar formulieren kann, denn sonst bringt das alles sowieso nichts. Ohne Plan, kein Haus…und …
3. Ich kenne den Gegenwert meiner Wünsche. Bekomme ich etwas, gebe ich etwas, altes Naturgesetz. Im günstigsten Fall tuts nicht weh.

Ja, bleibt nur noch zu klären, was eigentlich hat dein kommender Wunsch für eine Konsequenz? Was wäre, wenn auf einmal alle Wünsche in Erfüllung gehen würden? Wärst du glücklicher? Wer die Wahl hat, hat die… genau!
Also nicht falsch verstehen, sich Wünsche zu erfüllen, ist einfacher als gedacht, aber diese Macht birgt ja auch Verantwortung, wie all unser Tun… in diesem Sinne, bist du bereit, oder zwei-felst du noch…?

(A.V.)