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Archive for the ‘Kreuzburg’ Category

Stimme der Kreuzburg

In Kreuzburg on 30. Juli 2009 at 18:07

KW18: Entertain

KW19: Schweinerei

KW20: Frühstück

KW21: Kombiniere

KW22: Jubiläum

KW23: Wahlen

KW24: Leisetreten

KW25: Chill&Grill

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Kreuzburg KW 17&18

In Kreuzburg on 20. Mai 2009 at 09:55

KW 17: Alte Männer

http://www.kenfm.de/podcast/kenfm_2009_kw17_kreuzburg.mp3

KW 18: Unterhaltung

http://www.kenfm.de/podcast/kenfm_2009_kw18_kreuzburg.mp3

Kreuzburg Audiostream 16/09

In Kreuzburg, Multimedia on 19. April 2009 at 18:00

(KW 16 2009) – Titel:  Stau

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2009-04-19-Kreuzburg-Stau.mp3

Dies ist die Stimme der Kreuzburg

-Stau-

So klang es durch die Republik in den 70ger und 80ger Jahren. Bayern3, der Verkehrsfunk, Superstau, jeden Sommer, als sich Tausende von Berliner auf den Weg machten mit Kind und Kegel und Kombi gleichzeitig über den Brenner nach Italien. Schön an den Garda See. Urlaub machen. Alle zusammen.

Das begann in Berlin im extra dafür geschaffenen Stauraum in Dreilinden mit dem ritualisierten: „Und wo jehts bei euch hin?“ „Na wohin wohl? Raus wa!“ und führte direkt auf den Groß Glockner, begleitet von jener schicksalshaften Melodei von Bayern3 mit dem ursprünglichen Titel: „Solang der alte Peter“. Diese Melodie irgendwo in Deutschland in den Raum gepfiffen verursacht noch heute gefährliches Blitzen in den Augen vieler Familienväter, voll Angst, Schrecken und lustvollem Verlangen nach dem Ausnahmezustand. Der Stau als kollektives Erlebnis. Bedrohung und Abenteuer zu gleich. Überlebenskampf der Neuzeit. Die Via Dolorosa des kleinen Mannes. Kreuzigung und Wiederauferstehung an einem Tag, auf der Autobahn. Was ist Koslowski?

„Ich muss aufs Klo, mir is warm, müssen wir hier im Stau stehen, ich hab Hunger, wie lange noch und wann kommt die nächste Ausfahrt?“

Ja, wo steht er eigentlich der Peter? Na im Stau.

In Deutschland gibt es laut statistischem Bundesamt rund 230 000 km Straßen des überörtlichen Verkehrs. Bei 49 Millionen Kraftfahrzeugen macht das etwa 4,7 Meter Strasse pro Auto. Eine S-Klasse ist 5 Meter 20 lang. Wenn also alle losfahren, ist die Strasse voll. Stau.

„Ich fahre aber einen Golf2“

Das ist auch nur eine Statistik, Koslowski, kein Gesetz. Mitdenken. In Deutschland kostet 1 km Autobahn ca 5 mio Euro. Was sagst du dazu, biste baff wa?

Ja.

Apropos Verkehr. Geschlechtsverkehr. In Deutschland wir aktuell eine Frau durch die Presse gejagt, die Geschlechtsverkehr hatte, ungeschützt. Jetzt sitzt sie im Gefängnis, die Zeitung mit vier Buchstaben schlachtet das aus. Alle finden es richtig. Die Frau hat eine Tochter und ein Mann hat sie angezeigt. Sex und Erwachsene Menschen, gehören immer noch zwei dazu. Kann Mann demnächst auch Frau wegen einer Schwangerschaft anzeigen? HIV ist tödlich und man kann sich anstecken. Unwissen schützt nicht, Kondome ja, das weiß Mann.

Um Staus zu verhindern, werden seit diesem Jahr alle Ortungsdaten unserer Handys ausgewertet, also wo wir uns wann befinden und wie schnell wir uns bewegen. Das ganze nennt sich Floating Cellular Data und passiert zusammen mit den 5000 Induktionsschleifen in der Fahrbahn und den 300 Kontrollkameras der Maut Betreiber Firma Toll Collect natürlich nur annonym, weil in der Chausseestrasse in Berlin gerade für 720 Millionen Euro die neue Zentrale des BND gebaut wird, streng geheim.

Verkehrsfunk im Radio wird traditionell mit dem Hinz Triller eröffnet. Damit weiß die Sendestation, dass Verkehrsnachrichten folgen, sendet ein TA, ein Traffic Announcement, und dann schaltet das Radio die Kassette ab und macht lauter. Das machen wir jetzt auch:

Hier nun eine politische Verkehrsmeldung der Kreuzburg.

In Deutschland kommt es vermehrt zu Übergriffen von Neonazis auf alle anderen Menschen. Wenn du Nazi bist und das hier hörst, schalte sofort Dein Radio ab und denk über Dein Leben nach.

Für alle anderen gilt: Freie Fahrt für Freie Bürger. Weiter machen mit Demokratie, Kopf benutzen, Leben genießen und keine Angst vor Nazis haben. Aber Angst sollte man ja so oder so vor nichts und niemandem haben.

Ende der Durchsage.

Die Kreuzburg –  jeden Sonntag auf Radio Fritz bei KenFM – http://www.kenfm.de

Kreuzburg Audiostream 15/09

In Kreuzburg, Multimedia on 12. April 2009 at 18:00

(KW 15 2009) – Titel:  Ostern

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2009-04-12-Kreuzburg-Ostern.mp3

Dies ist die Stimme der Kreuzburg

-Ostern-

Ein Mann wird ans Kreuz geschlagen, steht wieder auf und 2000 Jahre später feiern wir Ostern. Wir sammeln Eier und jagen Hasen. Das macht Spaß. Warum weiß kein Mensch. Wie so oft heutzutage, weiß keiner, machen alle. Entdecke die Möglichkeiten. Wann kommt die Abwrackprämie für Senioren? Am Alexanderplatz kann man immer noch Lebkuchenherzen kaufen.

Kuchen. Eigentlich war der Oster Hase einst ein Lamm. Aber weil Gebäck in Lamm-Form aussieht wie ein Hase, Hühner in der Fastenzeit trotzdem Eier legen und man den protestantischen Kindern nicht sagen wollte, dass der Hase eigentlich ein katholisches Lamm ist und der Überschuss an Eiern Ergebnis der „Wir sind Papst“ Fraktion, blieb eben nur Meister Lampe als Eierbote, um den Augsburger Religionsfrieden zu waren. Das Motto damals lautete cuius regio, eius religio, was übersetzt ungefähr bedeutet „Wessen Hase, dessen Ei“. Also ein Hase, der viele bunte Eier bringt. Menschen sind sehr einfallsreich, wenn es darum geht, die Geschichte zu verändern. Der Weihnachtsmann war ja früher auch kein Brause Bengel und schmunzeln kann der Osterhase erst seit 20 Jahren. Aber Lila und Goldfarben war es schon immer und hatte eine Glocke um den Hals. Das Osterhäschen.

Ostern schließt die Himmelsrichtung mit ein, denn Osten, die Morgenröte, beschreibt den Zeitpunkt ab dem der Mann, nachdem später Latschen benannt wurden, noch einmal die Runde machte. Im Osten geht die Sonne auf und wenn es hell wird, kommt der Balken Jupp. Im Englischen wird es deutlicher: Happy Eastern, Eastern Germany. Im Deutschen haben wir zum Glück das lange O. Ansonsten würde es nämlich heißen, fröhlicher Osten. Das geht ja nicht.

Wie dem auch sei, Osten – Verzeihung – Ostern ist Tradition in Deutschland und Traditionen halten die Gesellschaft zusammen, wie eben der Fisch seine Schafe. Deswegen Hase, Lamm und Wolf. Also sammeln wir gemeinsam jedes Jahr aufs neue Eier. Es wäre nur schön, wenn ab und zu jemand diese Eier auch behalten würde, um sie dann an anderer Stelle zu haben.

Habt ihr Angst davor, sie zu haben, die Eier?

Angst sollte man doch so oder so vor nichts und niemandem haben.

Die Kreuzburg – jeden Sonntag auf Radio Fritz bei KenFM – http://www.kenfm.de

Kreuzburg Audiostream 14/09

In Kreuzburg, Multimedia on 5. April 2009 at 18:00

(KW 14 2009) – Titel:  Rock and Roll

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Dies ist die Stimme der Kreuzburg

-Rock and Roll-

Rock and Roll ist nicht Musik, ist auch Musik, ist nur Musik, ist unterwegs sein. Rock and Roll ist die Stimme der Vernunft, die feststellt, dass das nicht alles sein kann. Es ist der Wille, sich dem Leben zu stellen, dem Leben ins Gesicht zu schauen und wenn es sein muss, ihm ins Gesicht zu spucken. Wir sind alle gleich, weil wir Menschen sind. Aber ich mag dich, weil du nicht so bist wie ich. Weil du anders bist. Weil du dich unterscheidest. Weil du nicht gleich sein willst, wie all die anderen. Weil du lange Haare hast.

Aufbegehren ist Aufwachsen, ist Meinung, ist Pop. Verändern ist Überzeugung und das ist Rock and Roll. Einen Stein in die Hand zu nehmen ist eine Laune, ihn zu werfen, eine Lebensentscheidung. Ich bewundere mich, ich bin der größte Mensch der Welt und ich stelle mich selbst in Frage, wie es nie zuvor ein Mensch getan hat. Ich schäme mich und ich mache weiter, weil ich mich dafür entscheide, jeden Tag aufs neue.

Ich kämpfe. Ich bin Mensch und kein Schaaf.

Rock and Roll ist Leben mit hoher Drehzahl im roten Bereich, denn die Zeit ist knapp. Wer lebt, der muss sterben und wer laut lebt, stirbt schneller. Deswegen bedeutet Rock and Roll, wenig zu schlafen und alles zu erfahren. Leben in Lichtgeschwindigkeit. Deswegen ist Rock and Roll Vollkontakt mit dem Leben, ist das Wahrnehmen von Vergänglichkeit und im Scheine der Vergänglichkeit wird alles andere unwichtig und austauschbar. Dann ist man außerhalb und erst von Außen kann man das Absurde des Alltäglichen erkennen. Darum gibt es Drogen, unkontrollierte Beziehungen unter den Menschen, Unvernunft und Übermut. Erst im Außen kann der Mensch sich und seinen Körper aus dem Strudel der Zeit befreien, um zu verstehen, dass Leben bedeutet, sich selbst und niemandem sonst zu beweisen, dass man es verdient hat, hier zu sein. Erst im Außen kann man erkennen, dass Rock and Roll bedeutet, Fehler zu machen. Die alles entscheidende Frage lautet: War es das wert?

Die Antwort ist Rock and Roll.

Wer den Kopf hin hält, der wird ihn verlieren, früher oder später. Rock and Roll bedeutet, es trotzdem zu tun, gerade deswegen. Rock and Roll heißt, keine Angst vor dem Leben und keine Angst vor dem Sterben zu haben. Aber Angst sollte man ja so oder so vor nichts und niemandem haben.

Die Kreuzburg – jeden Sonntag auf Radio Fritz bei KenFM – http://www.kenfm.de

Kreuzburg Audiostream 12/09

In Kreuzburg, Multimedia on 22. März 2009 at 18:00

(KW 12 2009) – Titel:  Frühling

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Dies ist die Stimme der Kreuzburg

-Frühling-

Hallo Welt.

Es ist merkwürdig. Du bist so klein geworden, so überschaubar geworden. Du bist so ungepflegt, du lässt Dich gehen. Welt, ach Welt, warum bist Du nicht mehr schön? Der Frühling kommt und du steckst deinen Rüssel in den Dung, den du selbst hergestellt, vor gar nicht langer Zeit, als Du Kind, das Du immer noch bist, warst, mit den Händen in das AA griffest.

Nun schaust du traurig, bestürzt und zerknittert in das All hinein und fragst, warum? Warum nicht anders und wo überhaupt gehen wir hin? – Was heißt hier wir, ich bin immer noch ein Welt! – Bist du nie gewesen und jetzt setz dich auf den Hosenboden oder auf deinen Hoden. Pfui, das sagt man nicht. Warum eigentlich nicht? Ein Ei brät man ja auch in der Pfanne und dort sitzt du jetzt, schließlich hast du dich selbst hinein gehauen. Ramba Zamba, hoch oben steht der Mond, ist doch nur Lampe, ist doch nur Leuchte auf das Häufchen, das du gemacht. Welt und nun schau dich um, was hast du gedacht?

„Ich dacht’, es wär’ ein großes Spiel und wer am meisten in die Tasch gestecket und gesteckt, der nicht verlieret. Leontes te devorant. Und dann wohl an kann und soll man rühmen, es stecke sich an die eigene Brust, Gold, Silber und die ganze Tafel, auf dass Welt und Geist als Einheit sich vermählten zu einem Stamm Wahrhaftigkeit.“

Oh Welt, ein Arzt, zu spät für dich. Zwei Wege waren dir beschieden, nun nimmst du wohl den schmalsten Grad, nun hast du dich entschieden. Vergönnt sei dir der Wahn, das Fieber. Zu immer teilst du dich und wieder und wieder wenn der weiße Flieder blüht, du steckst uns alle an, mit deinem schwach und seicht Gemüht. Nun denn, so kugel lustig weiter, bis auf den Grund der Höll hinunter und halt dir deinen dicken Wanst. Ob Schöpfer oder Genomit, am Ende ist’s der große Knall, der dich und uns und mich und Euch und alles in den Äther zieht. Und wenn der Mensch vom Mars das sieht, wird er mit großen Augen fragen und Welt, dann zählen wir auf dich. Dann lachen wir ihm ins Gesicht und sagen: Angst sollte man so oder so vor nichts und niemandem haben

Grüß Gott

Die Kreuzburg –  jeden Sonntag auf Radio Fritz bei KenFM – http://www.kenfm.de

Kreuzburg Audiostream 11/09

In Kreuzburg, Multimedia on 15. März 2009 at 18:00

(KW 11 2009) – Titel:  Keine Weiteren Fragen

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Dies ist die Stimme der Kreuzburg


-Keine weiteren Fragen-

Keine weiteren Fragen euer Ehren, keine weiteren Fragen. Das Fragen ist hierzulande kein beliebtes Mittel um den Dingen auf den Grund zu gehen, das Hinterfragen schon gar nicht, den Dingen auf den Grund zu gehen eigentlich überhaupt nicht mehr und Keine weiteren Fragen zu haben ist mittlerweile Lebenseinstellung geworden oder wie die Zeitungen schreiben: schick.

Schick ist auch der Flughafen Tempelhof geworden, nachdem der Berliner sich – natürlich ohne zu fragen – im Volkszorn gegen einen Flughafen für Bonzen gewehrt hat. Jetzt ist die Modemesse Bread and Butter dort, für unbestimmte Zeit und unbestimmtes Geld, und niemand weiss genau, warum und für wen und woher. Aber das sind Fragen, die man nicht stellen darf, sagt der König dieser Stadt, der schon damals gesagt hat, dass er den Flughafen so oder so zu machen wird, egal welcher demokratische Firlefanz sich hier noch abspielt. Und jetzt hat dieser König Wuwu einen Vertrag unterschrieben und also fragt auch niemand mehr nach, was das denn war mit den Bonzen und was das jetzt ist mit den Anarchisten und Sozialisten von der Modemesse und warum da immer noch ein Zaun um den Flughafen ist, wenn wir ihn doch den Bonzen entrissen haben und wann wir endlich in die CarLofts einziehen dürfen, damit unsere Autos mit Blick auf den Flughafen einschlafen können. Das fragt ja niemand und Wuwu freut sich.

Oder hier, der Timo, der schiesst wild in der Gegend herum, wie im Wilden Westen und anstatt nach dem Warum zu fragen, fragt sich die Öffentlichkeit, also die Bild und die U-Bahn Zeitung, wieso er das gemacht hat? Und dann sagt die Polizei, weil er ein Junge war, der vielleicht eine Freundin hatte oder nicht und weil er dieses Internetz gemacht hat und in „JatRooms“ unterwegs war, Killer Spiele gespielt hat und wahrscheinlich auch noch die Killer Pilze gehört hat und das würde vielleicht wirklich sogar schon wieder alles erklären, aber nein, die wirklich wichtige Frage stellt niemand. Nicht wieso, woher, weshalb, nein, warum hat er denn geschossen, die causa, Koslowski?

„Weil er er in psychiatrenischer Behandlung war?“

Weil er eine Pistole hatte! Man kann Menschen erst erschießen, wenn man eine Pistole hat. Ansonsten fliegt man einfach nur raus aus der Kneip und ist sauer, aber mit einer Pistole erschießt man Menschen. Warum soll überhaupt irgendjemand in einer zivilisierten Gesellschaft Pistolen haben? Weil die so schön funkeln? Egal.

Gestern war eine funkelnde Demonstration für die letzten kulturellen Freiräume in der neuen Bread and Butter Stadt Berlin und weil das Verfassungsgericht gerade beschlossen hat, das einfach so Filmen auf einer Demo dann doch irgendwie das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit einschränkt, haben wir mal nachgefragt, bei den Hobby Filmern von der Polizei und da das natürlich nicht freigegeben wurde, müssen wir das jetzt nachstellen. Koslowski, du bist jetzt Polizist.

„Was?“

Ja, so geschehen gestern um 17 Uhr Görlitzer Straße Ecke Skalitzer Straße. Friedliche Demonstration. Polizei. Kavallerie D3:

Sagen sie, filmen sie mich da gerade mit der Kamera?

Nein gar nicht, natürlich filmen wir!

Aber warum?

Weil das Polizeiliche Maßnahmen sind!

Und warum?

Um Straftaten zu vereiteln.

Aber hier passiert doch gar nichts?

Das ist alles schon rechtlich so abgesichert.

Aha und das nehmen sie jetzt auf Band auf?

Ja.

Und wann wird das gelöscht?

Später irgendwann, das machen wir immer so in Berlin.

Vielen Dank. Das ist dann also immer illegal.

Seht ihr, man muss nur die richtigen Fragen stellen, dann bekommt man auch die richtigen Antworten, wie in der Sesamstraße. Man darf nur keine Angst vor dem Fragen haben, aber Angst sollte man ja so oder so vor nichts und niemandem haben.

Die Kreuzburg – jeden Sonntag auf Radio Fritz bei KenFM – http://www.kenfm.de

Kreuzburg Audiostream 10/09

In Kreuzburg, Multimedia on 8. März 2009 at 18:00

(KW 10 2009) – Titel: Mauer

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Dies ist die Stimme der Kreuzburg

-Mauer-

Wir haben nicht vor 20 Jahren für die deutsche Einheit gekämpft, um jetzt zuzusehen, dass Kommunismus und Sozialismus durch die Hintertür in Deutschland wieder was zu sagen kriegt.

Wenn jetzt alle nach Verstaatlichung und nach Staat rufen, Enteignung, dann braucht’s eine Partei wie die FDP die sagt, Freunde, nö!.

Ich bin der festen Überzeugung, dass auch der Markt das wieder richten wird.

Schnauze!

So, Die Mauer. 20 Jahre ist es nun her, 20 Jahre keine Mauer mehr. Obwohl, 20 Jahre sind es eigentlich noch gar. Dann könnte man direkt auch 60 Jahre Kriegsbeginn oder 120 Jahre Hitler kriecht aus dem Schlund der Hölle dazu nehmen, nein, aber es ist so eine Sache mit den runden Zahlen. Exakt vor 340 Jahre auf den Tag genau bricht der Ätna mitten in Italien aus und genau 230 Jahre später wird die Eintracht Frankfurt gegründet. Und was sagt uns das?

Vor 20 Jahren jedenfalls hat sich das ganze, als die Mauer noch stand, so angehört:

Wir machen ihnen eine Mitteilung über die Möglichkeit des Ausreisens der unmittelbaren Staatsgrenze zu Berlin West und in die BRD. Es ist nicht möglich, ihnen hier und jetzt die Ausreise zu gewähren.

Ne Massenverarschung ist dit hier, genau dit gleiche. Denn hätte ick auch zu Hause bleiben können und pennen können, denn wär’ ick jetz gar nicht hier, is ehrlich, meine Meinung. Total Verarschung, die sind sich nicht einig, original. Morgen jeht keen Mensch aus der DDR arbeiten, weil se sich alle die Papiere besorgen wollen und wir kommen noch mehr in die Scheisse.

Genau, Scheisse. Wie heute, allet scheisse. Und wat ham wa draus jelernt, nüscht. Wieder allet scheisse.

Ich bin der festen Überzeugung, dass auch der Markt das wieder richten wird.

Schnauze!

20 Jahre Freie Welt und einig hoch heil Vaterland und es gibt immer noch Ossis und Wessis. Die hier und die da drüben und wir und ihr und mittlerweile wird die 16 jährige Madelene auch wieder gefragt, wie es denn damals im Osten so war, genau. Der Deutsche igelt sich eben gerne ein in sein Schicksal, ob es das gibt oder nicht, egal. So wird der Ossi mehr und mehr zum wimmernden Brandenburger, der sich vor Traurigkeit und Verzweiflung seinem Schicksal als Neonazi ergibt und der dicke feiste Wessi baut auf der anderen Seite in Niedersachsen ein Kolosseum auf und lässt sich brechend den Wanst vollaufen, während nackte Sklaven aus Dresden in der Arena den Mauerfall nachstellen.

Es ist erstaunlich, wie die Welle der Begeisterung über das Ende der Teilung der Welt, das Ende des Kalten Krieges, das Ende von Gut und Böse dazu geführt hat, dass wir uns heute, zwanzig Jahre später, in einer Welt der „Winner“ and „Looser“ wieder finden. Eine Welt ohne Moral.

Wer hätte gedacht, dass Gitte Haenning bereits 1982 mit „Ich will alles. Ich will alles und zwar sofort!“ die Hymne unserer Zeit schrieb, quasi das Hasselhofsche „Looking for Freedom“ des Jahres 2009.

Man kann in diesen Tagen nur noch wahnsinnig und oder verrückt werden, so wie der Guido, anders ist es nicht mehr zu verkraften, dass eine Bank sich mit Steuergeldern 400 mio € Boni finanziert, während ein falscher 1,30€ Bon von einem Gericht als völlig normaler Kündigungsgrund bestätigt wird. So etwas nennt man Parallelwelt oder auch Parallelgesellschaft, mit zweierlei Maß messen.

Zum Schluss ein bisschen Grundgesetz aus dem Artikel 3

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

Habt ihr noch Angst, dass Grundgesetz zu missachten, nö? Na Angst sollte man ja so oder so vor nichts und niemandem haben, ihr Knallköpfe. Wieder alles falsch verstanden, na los Ronald:

Mr Gorbatschov, tear down this wall…

Die Kreuzburg – jeden Sonntag auf Radio Fritz bei KenFM – http://www.kenfm.de

Kreuzburg Audiostream 09/09

In Kreuzburg, Multimedia on 1. März 2009 at 18:00

(KW 09 2009) – Titel: Tabu

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Dies ist die Stimme der Kreuzburg

-Tabu-

Es geht ein Gespenst um dieser Tage und dieses Gespenst heißt Krise und diese Krise ist peinlich. Sie ist erbärmlich. Sie ist ein Schlag in das Gesicht der Zivilisation. Sie ist das Armutszeugnis der Nachkriegsgesellschaft, denn etwas anderes ist nie aus uns geworden, eine Nachkriegsgesellschaft, die immer und überall Angst hat, die sich fürchtet, die sich kollektiv in die Hose scheisst. Scheisse, ja Scheisse! Wenn die Moral und die Intelligenz versagen, dann braucht man auch keine Sprache mehr, die so tut, als würde man nachdenken. Kotze, Scheisse, Pisse, Fotze. Alles im Arsch.

Das heute und hier ist die Kapitulation vor dem Verstand. Jawohl es ist Dampf im Kessel. Der kleine Mann von der Strasse, der Staat und die Wirtschaft, eine Farce. Alles Spuk und Humbug und Idiotie. Medien zerren Menschen vor die Kamera, die wie Junkies von morgens bis abends die Angst vor dem Zusammenbruch predigen. Sie sagen: Heutzutage kann man froh sein, wenn man überhaupt noch Arbeit hat. Ach ja? Heutzutage. Heutzutage!

Schleicht die Pest wieder durch die Strassen? Verhungern Menschen in ihrem eigenen Kot? Weinen Mütter, weil sie ihre Söhne verlieren und Väter, weil ihre Töchter vergewaltigt wurden? Werden Menschen vergast? Was heißt dieses Heutzutage? Überhaupt noch froh zu sein, Arbeit zu haben? Gerne auch für weniger Geld, halbtags, Kurzarbeit, Stundenkonto, Määää, Määää, zurück in euer Gatter, Schaafe! Zurück in die Herde! Sie haben gegessen, sie wurden geschoren. Eigentlich wollten wir keine Herde mehr, keinen Hirten. Ihr wolltet keine Schafe mehr sein, Määää. Endlich wieder Arbeit haben, um eine Aufgabe zu haben. Also für jeden wieder eine Fackel. Deine Aufgabe ist es, die Lokomotive zu betanken, wohin der Zug fährt und wen er transportiert, ist Dir egal. Halt die Schnauze du dreckiges Schwein, oder ich nehm Dir deine Arbeit weg und dann bist du gar nicht mehr,

du mieses Stück Scheisse.

Warum macht ihr da alle mit? Warum wollt ihr euch einreihen? Warum kriecht ihr dahin? Warum bückt ihr euch? Warum plappert ihr alles nach, was man euch vorgaukelt? Schafe seid ihr, Bücklinge, Bauern und Sklaven, Knechte und Leibeigene jener Menschen ohne Moral, denn sie haben wieder zugeschlagen und sie schlagen zu und lachen sich krank, was sie euch noch alles erzählen können, damit ihr weiter jeden morgen brav zur Arbeit geht.

Natürlich habt ihr Familien. Natürlich habt ihr ein Haus gekauft, das ihr abbezahlen müsst. Natürlich ist es das Schwerste in diesem Leben, die eigene Existenz und die seiner Familie zu sichern und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht. Aber genau damit haben sie euch an der Gurgel und sie würgen euch und quetschen euch an die Wand und drücken immer weiter zu. Ihr lasst es geschehen. Aber nur weil ihr klein bei gebt, wird es nicht besser werden, es wird immer schlimmer. Ihr habt immer weniger Überblick, immer weniger Selbstvertrauen, um euer Leben selbst zu bestimmen, immer weniger Selbstachtung, sich nichts einreden zu lassen, Nein zu sagen, nicht mit zu machen, es anders zu machen. In 20 oder 30 Jahren werden eure Kinder fragen: Warum hattet ihr so wenig Mut?

Warum habt ihr immer wieder so schnell aufgegeben, eure Stimme zu heben und die Faust zu ballen, um euch zu wehren? Weil es so harte Zeiten waren?

Heutzutage?

Die Angst geht um, weil Angst der Motor des Kapitalismus ist, genauso wie Angst der Motor der Diktatur war, Kommunismus, Liberalismus, Sozialismus, Einschüchterung, Angst verbreiten, Kleinhalten. Ihr kommt nicht heraus aus dem Käfig eurer Systeme, ihr kommt nicht heraus aus der Nachkriegszeit. Ihr schafft es nicht, darüber nachzudenken, wie die Zukunft aussehen soll, weil das bedeuten würde, aus der Herde auszubrechen und mit dem Nachplappern aufzuhören.

Es ist widerlich zu sehen, wie eine Gesellschaft die Freiheit, die ihr geschenkt wurde, die teuer bezahlt wurde, einfach weg wirft, einfach fallen lässt, weil sie sich in die Hose scheisst. Es reicht, es reicht, es reicht! Hört auf damit Angst zu haben!

Angst sollte man doch so oder so, vor nichts und niemandem haben.

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Kreuzburg Audiostream 08/09

In Kreuzburg, Multimedia on 22. Februar 2009 at 18:00

(KW 08 2009) – Titel: Gesundheit

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Dies ist die Stimme der Kreuzburg

-Gesundheit-

Gesundheit. Gesundheit, wünscht der Mensch dem anderen, wenn er krank ist. Aber was heißt eigentlich krank und was ist gesund? Gesund ist erst einmal das Gegenteil von krank und krank ist, wer körperlich oder geistig eingeschränkt, also nicht voll einsatzfähig ist. Diese physische und psychische Leistungsfähigkeit ist nicht objektiv bestimmbar. Gesundheit ist eine Einschätzung aus einem System heraus. Gesellschaft bestimmt, was gesund und krank ist und gibt diese Bestimmungen an die verschiedenen Systeme, Medizin, Wissenschaft, etc. weiter, das nennt Gesellschaft dann Gesundheitssystem und das ist ein Problem.

Bei körperlichen Störungen verläuft die Trennlinie zwischen gesund und krank noch relativ eindeutig. Wenn die Nase bricht, dann ist sie gebrochen. Aber wie verhält es sich mit einer Lese oder Rechtschreibschwäche? Ist dann das Gehirn krank und wer entscheidet, wann das Gehirn nicht mehr gesund ist? Hyperaktive Kinder werden heutzutage mit Medikamenten behandelt. Wann ist der Geist gesund, wann ist Mensch geisteskrank?

Psychische Störungen lassen sich logischer Weise nur von außen beobachten, nur an den Symptomen, nur am Verhalten. Ein Mensch sieht einen anderen und sagt: geisteskrank. Der aber schließt sich mit fünf oder zehn gleichartigen zusammen, macht Gesellschaft und sagt: Falsch, du bist der Geisteskranke und wir behandeln dich jetzt, damit du dich so wie wir verhältst, damit du so wie wir wirst.

In Deutschland liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei 77 Jahren für Männer und bei 82 Jahren für Frauen. Sieh an, sie wird älter, aha! Viele bleiben allerdings schon vorher auf der Strecke, weil sie sich nicht gesund ernähren oder nicht genug bewegen, herzlichst, ihre Krankenkasse. Außerdem ist der Mensch merkwürdiger Weise oft und gerne damit beschäftigt, sich selbst zu vergiften. Das macht ihm Spaß. Mehr als ein Viertel der Deutschen raucht Tabak oder Marihuana und rafft sich potentiell selbst per Lungenkrebs hin fort. Der Deutsche trinkt im Durchschnitt 12 Liter reinen Alkohol im Jahr, das sind 600 Flaschen Bier pro Kopf, also alle drei Tage ein SixPack, Donnerwetter! Der Berliner sagt dazu:

Mir zwickt die Leber inner Seite

Ick glob, ick brauch ne Zweite

Prost Mahlzeit!

Gesundheit ist das wichtigste. Auch wenn man nicht bestimmen kann, was genau Gesundheit bedeutet, wünschen kann und soll man es jedem Menschen. Wer gesund ist, hat keine Probleme, er denkt es nur. Wer Krebs oder HIV hat, der denkt das nicht, der weiß.

Es ist also die Pflicht aller Menschen, die gesund sind, denen es gut geht, sich dem Leben zu stellen und sich um diejenigen zu kümmern, die krank sind. Gesundheit ist das größte Glück, wer gesund ist, muss dem Leben ins Gesicht schauen, darf sich nicht verstecken, darf keine Angst vor dem Leben haben. Aber Angst sollte man ja so oder so, vor nichts und niemandem haben.

Die Kreuzburg –  jeden Sonntag auf Radio Fritz bei KenFM – http://www.kenfm.de