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Kapitän Ahab und der Wahlgesang

In Gesellschaft on 11. September 2009 at 12:05

In früheren Jahren war es für mich immer relativ einfach zur Wahl zu gehen. Das Studium der Wahlprogramme brachte stets ein relativ klares Ergebnis. Das Spektrum der Auswahl war relativ klar in Schubladen zu kategorisieren. Von ganz rechts bis ganz links gab es Wahlmöglichkeiten. Ganz nach Gusto wurde gewählt. In der sich anschließenden Legislaturperiode wetterte die Opposition und deren Anhängerschaft über die unglaublich schlechte Politik der Regierungsparteien. Die eigene Wählerklientel war auch nicht immer zufrieden. Aber rechtzeitig zum neuen Wahlkampf gab man sich geläutert. Stellte neue Wahlkampfprogramme auf und alles begann von vorn. Die Wahlbeteiligung war nie besonders erfreulich, aber einigermaßen befriedigend.

Und heute? In diesen Tagen des Wahlkampfes komme ich mir vor wie Kapitän Ahab. Ich tauche jeden Tag aufs Neue in die Fluten des politischen Meeres und versuche mit der Harpune meine mir zugehörige Partei zu erlegen. Doch ich bekomme das Gefühl, dass alle Parteien gleich sind. Lediglich kleinere Abweichungen als Zugeständnis an die Stammwähler. Aber ansonsten sind alle irgendwie liberal-konservativ, links-mitte-zentrum mit Lobbyisten für alles und jeden.

Da kommen mir die Schlagzeilen der letzten Wochen in den Sinn. Und ich schüttel nur erschrocken mit dem Kopf. Da versuchen die Berufspolitiker zur Erhaltung oder zum Ausbau ihrer Macht mit jeglichen Mitteln Stimmen zu generieren. Die gute Frau Ministerin und ihre Autoaffäre machten den Anfang. Dann kommt die leidige Opel-Geschichte. Rechtzeitig vor der Wahl wurde dann die Akte „Opel“ erst einmal geschlossen. Interessanterweise mit der Kritik, dass das beschlossene Konzept nicht umzusetzen sein wird. Aber was solls? Nach der Wahl ist eh alles immer anders. Aus dem Nichts tauchen plötzlich auch alte Berichte über die Sicherheitsbedenken zum Endlager Gorleben aus dem Jahr 1983 auf. Mensch, wie schlecht das Timing mit den Tanklastern in Afghanistan ist. Wenig programmatische Streitigkeiten um die Sache. Alle sind bemüht den Ball flach zu halten. Und irgendwie wird mir schlecht.

Ich verstehe die vielen Menschen, die nicht wählen gehen. Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen ihr Kreuz der Wahl nicht tragen wollen. Es ändert sich ja eh nichts. Die sind doch alle unglaubwürdig. Erinnert Euch an den Satz von Müntefering, dass es unfair sei, Politiker an den Wahlversprechen zu messen. Mit einer überdurchschnittlichen Wahlbeteiligung ist 2009 nicht zu rechnen.

Aber was nicht vergessen werden darf ist die Tatsache, dass wir das Glück haben, in einem Land zu leben, in dem es jedem Bürger erlaubt ist, seine Meinung kund zu tun. Man mag sich über die Grenzen der Anwendung dieses Grundgesetzes trefflich streiten können. Aber nur wenn wir wählen, wenn wir bereit sind unserem Bezirks-, Landtags-, und Bundestagsabgeordneten zu schreiben, Petitionen zu zeichnen, an Diskussionen im Kreis der Familie, mit Freunden und Versammlungen teilzunehmen, dann nehmen wir am demokratischen Prozess teil. Es ist mit Sicherheit eine deutliche Meinungsäußerung, wenn man nichts macht. Doch diese Form des Protests bringt nichts. Es ist ja das, was Politiker gelegen kommt. Wenn niemand aufbegehrt, dann sind die Diäten sicher! Also, auch wenn es schwer fallen mag, wenn alles als Einheitssoße daherkommt. Gehen wir wählen! Und mischen wir uns ein!

zur Entscheidungsfindung:

http://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2009/main_app.php

Bewusstsein No.4

In Ökologie on 30. Juli 2009 at 17:39

Nun ist es nicht so, dass ich in einer ländlichen Gemeinde oder einer Kommune meine Kindheit verlebte. Keine bio-dynamischen Begegnungen mit einem Demeter-Bauern.  Es ist durchaus ländlich gewesen. Bei Oma und Opa gab es Hühner, Kaninchen und auch Schweine zu besichtigen. Mal lebendig im Stall oder Gatter. Mal weniger lebendig am Haken in der Waschküche. In veränderter Form dann auch als Essen. Und wir wissen ja, wenn Oma kocht, dann schmelzen wir dahin. Weiter ging es meist mit: „Es wird gegessen was auf den Tisch kommt!“ Vielleicht liegt es daran, dass es wenig gibt, das ich nicht esse. Es gab Wurst, Butter, leckere Soßen, Braten und die ganze Palette, die auch heute an Festtagen so gern aufgefahren wird, wenn die Familie zusammenkommt. Es wurde viel gekocht. Auch verkocht. Ab und zu Obst. Und am Sonntag gab es Eis. Mit Dosenfrüchten. So war das. Später kam unsere individuelle Selbstverpflegung durch Fertig-Gerichte und Tiefkühlkost hinzu. 2 Erwachsene und 4 Kinder. Alle mit unterschiedlichen Geschmäckern und Tagesabläufen. Der Weg des geringsten Widerstandes war dann die TK-Pizza. Oder Burger aus der Plastikverpackung. Mikrowelle auf – fertig.

Verständlich wenn so insgesamt kein Bewusstsein dem Essen gegenüber aufkommen konnte. Selbst kochen kam auch nicht in die Tüte. Hätte ja wertvolle Jugend-Zeit gekostet. Als ich dann von daheim ausgezogen bin, da hatte ich auf einmal ein Küche. So richtig anzufangen wusste ich damit nichts. In der Regel waren vorhanden: Nudeln, Ketchup, Milch, Kaffee, Käse und Äpfel. Alles ausm Discounter. Alles im niedrigsten Preissegment zu finden. Ich wurde ja irgendwie satt. War nicht krank. Keine Mangelerscheinungen. Ich wusste zwar, dass es da so etwas wie die „ökologische“ Seite gibt. Aber das waren für mich die Ökos. Piefig. Total ihrem Klischee entsprechend. In der Stadt waren noch keine Bio-Supermärkte etabliert. Handelsketten zeigten noch nicht stolz ihre Bio-Produkt-Reihen hervor. Fair-Trade und „grüne“ Aktionen standen noch in den Startlöchern. Auf dem Sprung in den Mainstream.

Erst allmählich keimte in mir etwas wie Bewusstsein meiner Nahrung gegenüber. Einerseits durch Sozialisation mit den Ökos. Auf Parties oder Referats-Sitzungen bei Mitstudenten gab es dann Ökologisches. Kichererbsensalat. Obst. Gemüse-Sorten, die ich zuvor noch nie gesehen hatte. Auf der anderen Seite fing ich an, zur Finanzierung meiner Unterkunft und meines Nudeln-mit-Ketchup-Lebensstils, in Restaurant-Küchen zu arbeiten. Gute und weniger gute waren dabei. Durch diese kontrastiven Erfahrungen, der Möglichkeit Soßen aus körniger Kraftbrühe mit stundenlang eingekochten Soßen aus Bio-Fleisch einander gegenüberzuschmecken, entwickelte sich mein Verhältnis zum Essen. Ich begann immer mal ein wenig zu kochen. Vollkornnudeln mit ein wenig Zucchini und Tomaten. Ausgewählte Zutaten. Davor einen Salat. Und danach etwas Obst. Und ich war gesättigt. Dazu Wasser oder Tee. Lecker. Und so bin ich auch heute noch öfter auf der Suche nach leckeren Dingen. Probiere sie aus. Genieße die Atmosphäre in einer Küche. Mit seinen Gästen kochen, reden und einen schönen Abend zu verbringen. Auch mir fehlt manchmal die Zeit oder auch die Lust, und da greife ich auch schon mal zur TK-Pizza oder hol mir ne Curry mit Pommes Schranke. Habe einen Jieper auf die verteufelte Imperialisten-Brause. Oder ich biege mangels Elan vorzeitig mit meinem Fahrrad ab und kehre im Kaufhaus ein. Weil ich ja auch noch eine neue CD wollte. Mit Blick auf jeden Einzelnen mündigen Erwachsenen sind mir deren Essensgewohnheiten relativ egal. Aus den Fernsehbildschirmen ertönen mittlerweile jeden Tag die „Starköche“, die einen bewussten Umgang mit Nahrung predigen. Dazu noch einen Verweis auf ihre Restaurants oder Kochbücher hinterher schieben. Bio-Siegel. Lebensmittelskandale. Gammelfleisch. In Berlin werden Fotos und Namen von nicht einwandfreien gastronomischen Einrichtungen veröffentlicht.http://www.berlin.de/ba-pankow/verwaltung/ordnung/smiley.html Analog-Käse. Ich bin da, leider oder glücklicherweise, nicht so informiert, inwieweit mangelnde Bewegung und „ungesundes“ Essen das Gesundheitssystem beanspruchen. Ich fühle mich wohl wenn ich mich einigermaßen ausgewogen, abwechslungsreich und in meinen Augen „gesund“ ernähre. Blase nicht moralisierend in Hörner. Beschwere mich nur am Rand über die Unfähigkeit seitens des Gesetzgebers die Verbraucher ausreichend zu schützen. Ich bin ja auch noch beim Fine-Tuning. Bio-Äpfel aus Neuseeland sind nicht unbedingt ökologisch. Ein langer Prozess eben. Über Stock und über Stein. Ob sich jemand seinen Körper bewusst macht oder nicht ist jedem selbst überlassen. Nur wenn es um Kinder geht, sollten wir noch mehr gesellschaftliches Bewusstsein entwickeln. Mangelnde Bewegung und unzureichende Ernährung sollte nicht der Lebensentwurf von Kindern sein. Verantwortung auf die betreffenden Eltern abzuschieben ist einfach, macht es aber auch nicht besser.

Links:

http://www.dge.de/

http://www.stern.de/wissenschaft/mensch/:%DCbergewichtige-Kinder-Generation-XXL/524828.html

http://www.mobydicknetzwerk.de/

http://www.unicef.de/4263.html

(C.M.)

(d)ICHotomie des Lebens?

In Gesellschaft on 24. Juni 2009 at 18:44

Es ist bereits kein allzu neues Phänomen mehr. Jeder kann immer und überall jedem seinen gegenwärtigen Gemütszustand oder Aktivitäten offenbaren. Dann wird es in die Welt „gezwitschert“ oder dazu genutzt Freunden oder Fremden seinen „Space“ zu zeigen. Wenn ich mir sonst über diese Dinge Gedanken gemacht hatte, dann deshalb, weil nur allzu viele Menschen allzu sorglos mit ihren Daten umgehen. Aber in letzter Zeit beschäftigt mich dabei ein anderer Aspekt. Vor einiger Zeit stoße ich auf eine Status-Meldung, bei der eine junge Dame beklagt, dass einer ihrer Nachbarn sein unverschlüsseltes W-Lan nun verschlüsselt hätte. Anstatt aber sich nun für diesen Menschen womöglich zu freuen, darüber dass dieser nun nicht mehr so leicht ausgenutzt werden kann, beschwert sich die Frau auf Bitterliche und schreckt auch nicht zurück ihn auf gröbste Art und Weise zu beleidigen. Und es ging noch weiter. Die Frau, fragte via Internet ihre „Freunde“, zu den ich merkwürdigerweise auch gehöre, obwohl ich sie nicht kenne, ob nicht jemand bereit wäre, für sie einen Internet-Vertrag abzuschließen. Sie selbst könnte wohl nicht, weil sie Einträge in der Schufa hätte. Was soll man davon halten? Sie hatte es ernst gemeint. Ich bezweifle, dass diese Ausformung menschlicher Egozentrik jemals großartig anders strukturiert war. Womöglich ist die Fixierung auf seiner Selbst ein natürlicher Teil der menschlichen Natur. Jedoch bezweifle ich, dass Mutter Natur dies so vorgesehen hat, wie es häufig praktiziert wird. Dass wir nach Nahrung streben – okay. Dass wir ein Heim – eine eigene Höhle unser Eigen nennen wollen – okay. Jedoch vermehrt die Ellenbogen ausfahren? Gleich worum es geht? Es ist schon stark vereinfacht skizziert. Es steht außer Frage, dass gewisse Formen menschlicher Interaktion Konflikte hervorbringen kann. Nur gebietet doch die gute Sitte niemanden auszunutzen oder zum eigenen Wohl schlecht zu behandeln. Moral? Jemand, der bei sich ist und so erkennt, dass er womöglich dieses oder jenes in seinem Leben verändern möchte, der kann auch andere nachteilig damit beeinflussen. Partner, Chefs, Mitarbeiter oder die Familie. In diesem Zusammenhang geschieht es jedoch aus gänzlich anderen Beweggründen als Liegstuhl-per-Handtuch-Reservierungen auf Mallorca. Genauer gefragt: Sind wir Opfer der Umstände? Oder kommt es direkt von uns? Eine Mischung? Bedingt aus den gesellschaftlichen Entwicklungen? In einem Klima des Wettbewerbs, das nicht nur im Beruf auf die Menschen wirkt, sondern gleichermaßen im Familienkreis oder durch Freunde vermittelt wird, lernen wir früh: Es ist nicht das Schlechteste, der Beste zu sein. Oft auch gleich mit welchen Mitteln dies erreicht wird. Dieser Eifer unsere 4jährigen Sonnenscheine in Elite-Kindergärten stecken zu wollen? Oder selbige zu vernachlässigen, weil sie nerven und einen in seiner Zeit- und Freizeit-Planung doch beeinflussen? Hätte einem ja früher gesagt werden können. Oder ist dies normal? Das womöglich, in Anlehnung an Paul Nolte´s Generation Reform, wir uns eine kleine Welt aufbauen. Mit Sicherheit und Wohlbehagen. Und was da draussen – ausserhalb der Sippe – geschieht, ist dann die Jagd. Und somit alle Mittel erlaubt. Es heißt ja auch, dass der Mann von seiner Natur her nicht monogam angelegt sein kann. Fragen über Fragen. Nicht das wir uns falsch verstehen. Streben nach etwas. Sich Träume erfüllen. Hart zu arbeiten. Sich etwas aufbauen. Alles kein Thema. Jedoch: Wenn das eigene Handeln andere ganz wesentlich in ihrer Freiheit beraubt – wenn das eigene Handeln zu Lasten anderer Personen geht, sei es emotional oder auch materiell – dann ist dies schlecht. Mehr nehmen als geben. Die ungeteilte Zweiteilung des Seins. Böse. Pfui. Es heißt doch so schön: Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Ich jedenfalls finde es traurig. Viele Menschen lassen sich in Gefüge und Systeme integrieren, die dauerhaft und gravierend zu ihren Lasten gehen. Stumpfen irgendwie ab. Folgen irrigen Vorstellungen zu Glücks- und Seligkeitsversprechen. Nutzen Menschen aus. Kosten mit jeder Faser potentielle Macht im Leben aus. Oder täusche ich mich etwa? Alles halb so wild? Kein Ich will – Ich brauch – Ich muss – Ich Ich Ich? Gut, stark vereinfacht. Überzogen. Aber dadurch nicht weniger bedenkenswert. „Wer Genügen findet am Genügenden, der wird immer genug haben.“ (Lao-Tse. Kap.48)

So einfach kann es sein!

In Aktuell on 22. April 2009 at 15:37

Von der Startseite meines Internetbrowsers schimmert mir das Logo des weltweit größten Suchmaschinenanbieters in charming grün und blau entgegen. Tag der Erde. Heute. Und unweigerlich komme ich in Versuchung, mir zu überlegen, was denn ein Tag der Erde überhaupt bringen soll. Ist es wie beim Kindertag? Nein, heute bin ich mal lieb zu meinem Sprössling und geb ihm nur auf die linke Wange eine richtige Watschen – ist ja schließlich Kindertag!? Ich stell mir vor, wie an irgendeinem Seitenarm eines größeren Flusses in China die armen Gehilfen geldgieriger Geschäftemacher auf ihrem giftigen, leck-geschlagenen Fässern sitzen. Heute verunreinige ich das kühle Nass nicht, mag einer zu sich sagen. Und die Menschen werden es ihnen danken und erst einen Tag später an einer möglicherweise durch das Gift verursachten Krankheit erliegen. Ist es denn wirklich so schwer zu verstehen, dass wenn das Abladen von Abfällen am Fluss nicht generell verboten wird, sich nichts ändern wird? Lediglich 5 Tage würden dank der jährlichen Tage der Erde herausspringen. Wir brauchen die richtigen und durchgreifenden Gesetze! BÄMM! Ab 2020 darf es keine Autos mit Treibstoffantrieb aus nicht-regenerativen Quellen mehr geben. Aber nein. Heute machen wir uns mal was bewusst zum Thema Erde und morgen holen wir uns die Abwrackprämie. Da verwundert es nicht, dass sich einige in Galgenhumor flüchten.

Ein anderes Beispiel. Wie jeden Morgen zappe ich zum Kaffee am Morgen durch die Programme. Hätte man nicht so ein dickes Fell und so viel Humor wie ich, dann würde man über kurz oder lang an den Gestalten und Themen hinter der Glasscheibe stimmungsmäßig zu Grunde gehen. Jedenfalls erbarmte sich der großartige Sender Pro7, für den heutigen Tag „grünes“ Programm zu senden. Sagt der Sender, der mit dem Ausstrahlen des Raab-Events und den darin vorkommenden sinnlosen Spielchen, unnötigerweise Strom verballert. Muss ja bis ins letzte alles ausgeleuchtet werden. Und wofür? Ja, das liebe Geld. Business is business. Jedenfalls wurde jeder Werbeblock mit dem besonderen Verweis auf das neue Modell des Samsung LED TV begonnen, der so unglaublich grüne Werte aufweist. Die grünen Werte bestehen darin, dass er mit vielleicht 130 Watt Energieaufnahme beim Betrieb lediglich 50% der üblichen Menge Leistung aufnimmt wie vergleichbar große Geräte von Konkurrenten. Löblich. Das dies immer noch gut ungefähr 80 Watt über der Leistung leigt, die ein kleiner feiner popliger 40cm Fernseher verbraucht ist dabei nicht soooo wichtig. Letztlich ist das für solche Ungetüme ein hervorragender Wert. Und Fernsehen soll ja auch grandios sein. Viele Farben, gestochen scharf und mit 1a-Sound. Wen wunderts eigentlich noch?

(C.M.)

Essentielle Fragen

In 5 Fragen, Gesellschaft, kurz erwähnt, Spiritualität on 16. April 2009 at 01:54

Das Leben ist das Wertvollste, was wir haben. Ja, das eigene Leben, das ein und ausatmen. Wie wenig ist mir das manchmal bewusst. Ja, wie oft vergesse ich das täglich? All diese Selbstverständlichkeiten um uns herum, alltägliche Kleinigkeiten, das alles ist einfach da! Einfach da…und viele von uns haben vergessen, was es überhaupt wert ist, fließendes Wasser zu haben. Essen. Wärme.

Unsere Gesellschaft hat es geschafft uns diese existentiellen Bedürfnisse zu gewährleisten. Wir haben das gemeinsam geschafft. Allzu oft vergessen wir den Preis, den es dafür zu zahlen gillt. Es geht hier um das Bewusstsein, um das Wissen. Wir leben den Göttern gleich und wie wir aus Legenden wissen, gibt es der Götter nur wenige, verglichen mit der Anzahl der Menschen.

Zivilisationen stehen sich gegenüber und saugen sich gegenseitig aus. Die Stärkere die Schwächere, jeder isst das Fleisch des anderen. Wovon ernährst du dich? Wer arbeitet außer dir noch für deinen Wohlstand? Woher kommt diese Selbstverständlichkeit des Nehmens? Die Missachtung des Wunders genannt Leben durch stumpfes treten im Trott. Ich sollte mich schämen, für jede Sekunde, die ich mein Leben nicht bewusst lebe, das Leben nicht genieße und respektiere.

Götter können Wunder vollbringen. Wann können wir endlich das größte Wunder vollbringen, indem wir aufhören uns selbst zu zerstören und damit uns gegenseitig und unsere Umwelt? Wie oft müssen wir sterben bevor wir endlich erwachen?

A.V.

Berufswahl

In Gesellschaft on 31. März 2009 at 19:40

oder: Ramona und Rene stecken doch in jedem von uns.

Jeder steht mindestens einmal in seinem Leben vor der Frage nach der Berufswahl. Was will ich werden? Wo will ich hin? Einige streben dabei eher nach Selbstverwirklichung. Andere nach dem schnöden Mammon. Mein Haus, mein Auto, meine Frau, die ich mit meiner Sekretärin betrüge.
Es ist schon eigenartig, dass seit mehreren Jahren in zyklischen Bahnen die Bildungsmisere der Bundesrepublik beweint wird. In der Umsetzung streiten sich die Leistungsprinzips-Befürworter mit alternativen Schulformen-Propagandisten, die dem Kind die Wahl lassen. In allem die Wahl. Womöglich anti-autoritär und liebend gern harmonisch. Bitte, gern. Die Wirtschaft beklagt die mangelnde Qualifikation ihrer Bewerber. Die Lehrer beklagen die Überlastung. Und die Politiker? Die Politiker sind natürlich eifrig am diskutieren. Das kann sich über mehrere Legislaturperioden erstrecken. Die eigenen Kinder sind ja dank der Diäten und außer-parlamentarischen Bezüge in „Nebenjobs“ abgesichert. Es wäre durchaus interessant einmal statistisch zu erheben, ob die Sprösslinge der Abgeordneten sich mit dem Pöbel auf einer staatlichen Schule herumschlagen müssen. Insgesamt liegt die Lösung doch so nah.

Wir lösen die gymnasiale Oberstufe auf. Nun, nicht ganz auflösen. Eine Einführung von Schulentgelten würde schon reichen. Die Lehrer würden lediglich die elitären Kinder unterrichten. Das ganze Gerede von gesellschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit verhindert letzten Endes die Lösung des Problems. Aufstiegschancen? Wozu? Die Elite bleibt die Elite. Die scheinbaren Aufsteiger können mit einem guten Gehalt in Alibi-Jobs ruhig gestellt werden. Und der Rest? Der Rest hat nach der 8. Klasse die Schule abgebrochen. Viel zu viel Lebenszeit des Menschen, in seiner Funktion als Ressource, geht für Qualifikation drauf. Früher sind die Buben doch auch durch die Stollen und Schächte gerobbt? Learning by doing – or die tryin´. Vorbilder gibt es doch überall, die zeigen, dass es auch anders zu gehen scheint.

Da wären Ramona und René. Ramona und René waren in einer dieser so genannten „Reality-Doku“ zu sehen. Der Plot: René dreht Erotik-Filme und Ramona hat auch schon solche Filme gedreht. Ist aber nun eifersüchtig, weil René mit einer Darstellerin simst. Aber der große Stein des Anstosses ist, dass Ramonas Mama nicht versteht, dass ihre Tochter solche Filme dreht. Insgesamt sehr unterhaltsam. Durch einen Zufall spielt ein Bekannter, Ramonas Mama Bilder ihrer Tochter zu. Und ein Freund des Paares hat klammheimlich eine DVD mit ihrem Porno entwendet, der nun in die Hände der Mama zu fallen droht. Es folgen Aussprachen mit Renés Mama, die ihren Pimper-Nachwuchs cool findet und Ramonas Mama, die tief enttäuscht ist von ihrer Ramona. Es folgt ein Happy End. Denn Ramona möchte keine Filme mehr drehen. Und alle haben sich wieder lieb.

Einige Wochen später grinst den Zuschauer erneut Ramona durch die Flimmerkisten-Mattscheibe an. Diesmal ist Ramona geil. Ja, Ramona ist geil. Aber René hat nach der Arbeit einfach keine Böcke auf seinen steilen Zahn. Kubrick hätte es besser nicht inszenieren können. Die Kamera filmt über Renés Schulter, während er mit der Fernbedienung in der Hand durchs Programm zappt. Neben dem Fernseher steht seine Angebetete, oder eben auch nicht so sehr Angebetete, in Dessous. Ein wenig unheiss vom Körper, ein bisschen verbraucht durchs Solarium, Tattoo am Bauch und blonde Strähnchen. Mensch, da steht die arme Ramona und will doch nur beglückt werden. Immer wieder berichtet Ramona der Kamera, wie sehr sie doch darunter leide. Arme Ramona.

Mit ein wenig Recherche – Google – kann der geneigte Fan erfahren, dass Ramona und René für den Streifen „Stutentausch – Vol.1“ im Hardcore-Bereich vor der Kamera standen. René wahrscheinlich mehr als Ramona.

In dieser Reportage war auch Annina zu sehen, die gerade im Big Brother-Haus ihrem Freund oder Bekannten oder wem auch immer, regelmäßig das Rohr reinigt. Mit der Hand oder dem Mund. Egal. Was muss – das muss. In dem erwähnten Beitrag berichtet sie von ihrer vorangegangenen Nacht, in der sie zwei junge Österreicher vernaschte und sexuell voll auf ihre Kosten kam.

Oder eine junge Dame. Daniela. Daniela machte sich auch mit Reality-Dokus einen Namen. Es wäre wohl falsch davon auszugehen, dass sie berechnend mit 13 schwanger und dadurch zig Mal durch Doku-Reihen begleitet wurde. Die „jüngste Mama Deutschlands“ war wahrscheinlich einfach nur doof. Oder naiv. Oder beides. Heutzutage, sieben Jahre nach der Geburt des Kindes, kann es schon mal vorkommen, dass diese Dame auf einmal verheiratet ist. Und sich in einem Koch-Battle mit ihrer „Schwiegermutter“ misst.

Was uns diese Beispiele zeigen? Wer braucht denn Qualifikation? Diese sich ungebremst vermehrenden Reality-Formate bestehen voll und ganz ohne Qualität und Qualifikation. Es wäre doch gelacht, wenn wir nicht alle Menschen in dieses System integrieren könnten. Bei RTL hat letztens auch eine Agentur-Chefin geklagt, dass es so wenig Nachwuchs gibt. Ihr fehlen die Familien, die ihre Kinder schlagen, in denen die Partner fremdgehen und alle Beteiligten so erfrischend „echt“ sind. Gehen wir es an. Ich sehe überall Potenzial. Das Ziel heisst:

Sei geil – sei doof – sei schwanger – und sei so Teil einer Reality-Doku. Deutschland – Du hast das Fernsehprogramm, das Du verdienst.

(C.M.)

Schulterblick nicht vergessen!

In Gesellschaft on 9. März 2009 at 23:04

Die Bundesregierung buttert Milliarden über Milliarden in die Wirtschaft. Abwrackprämie. Konjunkturpaket. Um nur zwei Schlagworte der Stunde zu nennen. Warum sie das machen? Weil es alle machen. Und es verwundert nicht, dass es ob der horrenden Summen auch Wirtschaftsexperten gibt, die davon überzeugt sind, dass diese Maßnahmen anschlagen werden. Wann? Das wissen die Regierenden und Beratenden nicht genau. Aber erst einmal ist etwas getan. Dann kann sich Opel zugewendet werden. Hurra. Konzeptlos agieren und das Beste hoffen. Nur nicht zu weit aus dem Fenster lehnen oder visionär werden. Ist schließlich bald Bundestagswahl. Radikal werden, in ihren Ansichten, dürfen nur die Linken und die Rechten. Und die nimmt eh keiner für voll. Stimmenzuwächse bei diesen Gruppen werden von der großen Mitte nicht erst seit kurzer Zeit als irrelevant angesehen. Zumindest bis die Gefahr besteht, dass das eigene, lange Jahre gehegte und gepflegte Nest verloren gehen könnte.

Ob der Vorgänge, die nahezu alle Medien besonders beschäftigen, sollte auch eine rückblickende Frage gestattet sein. Denn in die Zukunft mag man mangels Alternativen fast schon gar nicht mehr schauen.

Wer trägt alles Verantwortung an der Krise?

Ist der Finanzsektor der alleinige Dämon? Mit Sicherheit ist es fragwürdig, in welchem Umfang beispielsweise Spekulationen betrieben wurden. Aber kommt das überraschend? Im Jahr 2008 kamen die Heuschrecken doch schon einmal über Deutschland. Das Streben nach Erfolg – nach immer höherer Dividende soll auf einmal etwas schlechtes sein? Wird nicht propagiert, dass jeder in dieser Gesellschaft es zu etwas bringen kann, vorausgesetzt er ist fleißig, strebsam und ehrgeizig. Waren die Geschäfte, die nun zur Krise führten, allesamt rechtswidrig? Großes Kriminalitäts-Kino? Wen wundert es? Es gibt einen Spruch, der da ganz gut passt. Warum er das macht was er macht? Weil er es kann!

Tragen die Anleger mit ihrem Streben nach hohen, und immer höheren Renditen Verantwortung? Bei mir vermehrt sich nur die Milch, die ich weit hinten im Kühlschrank vergessen hab. Schlecht wird mir von beidem.

Die Regierungen? Ihres Zeichens Volksvertreter. Deregulierung als Zauberwort. Und das Ergebnis? Kam das alles so unaufhaltsam und womöglich unvorhersehbar über die Bundesrepublik? Wohl kaum – wohl kaum.

Was ist eigentlich mit den Medien? So weit ich mich erinnern kann, konnte man in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften bereits im Jahr 2007 lesen, dass eine große Krise kommen wird. Abwendbar nur noch durch massive Intervention. Hätten es vielleicht ein paar Artikel und Berichte mehr sein können? Oder kamen da zufälligerweise verschiedene Casting-Shows dazwischen?

Fragen über Fragen. Aber fragt sich das überhaupt jemand? Es gibt schließlich gerade unglaubliche Rabatte auf TV-Geräte.

(C.M.)

Hätte mir ja früher einer sagen können, dass…

In Gesellschaft on 22. Februar 2009 at 15:07

…es so einfach ist. Seit Jahren zermarter ich mir immer wieder über verschiedene Fragen mein Hirn. Eine von ihnen setzt sich mit dem Thema Gesellschaft auseinander und wie wir Menschen zusammen in einer Gemeinschaft leben können, in der die Maximen Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit lauten. Aber da bin ich ja nicht allein als Einzelperson. Viele Menschen, Initiativen und Gruppierungen rätseln über die effektivsten Möglichkeiten. Mit einer weitestgehend als naiv bewerteten Grundeinstellung letztlich weltweit Frieden, Freiheit und Gleichheit erreichen zu wollen. Aber wie ich jetzt erfahren habe, sind alle Theorien vom bedingungslosen Grundeinkommen, einer Reichensteuer, unbedingten sozialen Gesellschaften zu kompliziert. Anstatt Veränderungen zu praktizieren reicht schon ein einfaches Vorgehen um das Wohl der Bundesrepublik zu sichern. Jedenfalls wenn man einem Satz Beachtung schenkt, welchen Hans-Olaf Henkel bereits im Februar 2008 in einer Fernsehsendung formulierte. Henkel, ehemaliger Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie sagte in der Sendung Studio Friedman am 07.02.2008

Wir brauchen mehr reiche Leute!

Klar, wieso haben wir alle nicht früher daran gedacht. Schließlich zahlen die Reichen mit jeder Million, die sie  beispielsweise jedes Jahr mehr als Bonuszahlung erhalten ja auch Steuern. Und je mehr Geld die Reichen dem Staat bringen, desto mehr könnte dieser dann verteilen. Mit anderen Worten, wir brauchen nur weiter so machen und die bisherigen unhaltbaren Verhältnisse, die es definitiv in vielen Gesellschafts- und Lebensbereichen gibt, vielleicht noch weiter auf die Spitze treiben.

Nur einen Punkt müsste mir noch jemand erklären. Und zwar, worin jetzt wirklich die  Offenbarung stecken sollte, dass eine Million Euro bei einer Person besser sein soll als 10.000 Menschen die 100 Euro bekämen. Wieso ist es notwendig mehr Reiche zu haben als Millionen, die ein wenig mehr zum Leben hätten?

In der gleichen Sendung offenbarte Herr Henkel seine Sympathie für die FDP. Wer hätte das gedacht?

(C.M.)

Bundesrechnungshof

In Gesellschaft, Politik on 20. Februar 2009 at 12:25

Der Bundesrechnungshof war für mich immer eine ganz besondere Institution. In meinen Augen waren die jährlich in den Medien offenbarten Berichte etwas besonderes. Der Rechnungshof ertappte die Verschwender von Steuergeldern. Und das wurde dem Bürger via Zeitung und TV präsentiert. In meiner naiven Vorstellung war ich felsenfest davon überzeugt, dass viele Ministerien sich ein Beispiel daran nehmen würden. Und bei den Erwischten handele es sich auch nur um Einzelfälle. Recht sollte ich nicht behalten. Auf der Homepage des Rechnungshofes ist zu lesen:

Der BRH prüft die Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes. Gegenstand seiner Prüfungen sind die jährlichen Einnahmen und Ausgaben des Bundes von über 540 Milliarden Euro. Ebenfalls geprüft werden die Sozialversicherungsträger und das Handeln des Bundes bei privatrechtlichen Unternehmen, an denen er beteiligt ist. Insgesamt sind dies vielfältige Aufgaben in unterschiedlichen Bereichen, z.B. Verteidigung, Straßenbau, Steuern oder die Betätigung des Bundes z.B. bei der Deutschen Bahn AG, der Post AG und der Telekom AG.

Was für eine gute Institution. Beim Weiterklicken stolperte ich aber über das Wort „stichpunktartig“. Bei 600 Mitarbeitern wäre jeder für etwa 1 Milliarde Euro zuständig. Wenn ich mein Quittungswirrwarr daheim bedenke, dann mag ein Job beim Rechnungshof nicht erstrebenswert sein. Aber was heisst eigentlich stichpunktartig? Mich würde interessieren, ob es sich um Größenordungen von 5, 10 oder 50% handelt. Stichpunktartig kontrollieren ist ja bekanntlich besser als gar nicht. Aber inwieweit daraus eine nachhaltige Strahlkraft des Rechnungshofes entsteht ist fraglich.

Der Bericht des Rechnungshofes für 2008 steht zum download bereit. Und beim Lesen des Inhaltsverzeichnisses fröstelte mir ein wenig.

Unzureichende IT-Strategie und keine messbaren Handlungsziele bei IT-Maßnahmen des Bundesarchivs – Zögerliche Einführung eines umfassenden Qualitätsmanagements – Flugfunk-Prüfungen weiterhin nicht kostendeckend – Zu große Büros kosten Deutsche Rentenversicherung Bund jährlich Millionenbeträge – Bundesministerium untätig trotz finanzieller Nachteile für den Bund – Bundesministerium übergeht Parlament – Unnötige Mehrkosten von 18,1 Mio. Euro bei geplanter Bundesstraße bei Bad Kissingen – Bundeswehr mietet ungeeignete Flugzeugschlepper und zahlte dafür bereits 2,7 Mio. Euro – Soldaten jahrelang ohne Vertrag und Ausbildungsplan bei der Industrie beschäftigt – und so weiter und so fort

Gut, fairerweise muss erwähnt werden, dass auch positive Entwicklungen und Einsparungen vermerkt sind. Im Vergleich überwiegen jedoch die Anmahnungen und verschwendeten Steuergelder. Eine Frage, die durch meinen Kopf geistert lautet: „Wenn das stichpunktartig festgestellte Zustände sind, wie schaut es dann in den nicht-geprüften Arbeitszimmern aus?“

Bei der Lektüre des Berichts  fordert innerlich immer eine Stimme die Ausweitung der Aktivitäten des Rechnungshofes. Wenn schon mehr Beamte eingestellt werden sollen, dann bitte dort!

(C.M.)

http://bundesrechnungshof.de/

http://bundesrechnungshof.de/veroeffentlichungen/bemerkungen-jahresberichte

Freiwilligenjahre zur Pflicht machen?

In Gesellschaft on 13. Februar 2009 at 12:38

Seit Jahren diskutieren unzählige Menschen über den Sinn oder Nicht-Sinn des Wehr- bzw. Ersatzdienstes. Nebenbei entwickelten sich viele Institutionen die jungen Menschen die Möglichkeit einräumen beispielsweise ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr zu absolvieren. Im Jahr 2008 wurde auch in den Medien die von der Bundesregierung unterstützte Aktion des Entwicklungsdienstes groß beworben.

Bei der kurzen Recherche ist mir aufgefallen, dass es immer wieder Vorstöße verschiedenster Gruppierungen gibt, die sich aus unterschiedlichsten Gründen für eine Pflicht zu einem sozialen oder ökologischen Dienst aussprechen. Die Resonanz auf diese Vorschläge fällt äußerst differenziert aus. Keine Pflicht für niemanden. Oder die Frauen mehr heranziehen, weil diese auch Gleichberechtigung fordern. Auch Stimmen, die anmahnen, dass es schon rein finanziell nicht tragbar wäre sind zu vernehmen.

Ich persönlich kenne mich in diesem Thema nicht sonderlich gut aus. Daher könnte meine Gedankenexperimente auch hahnebüchen sein. Schon aus eigenem Wissenstrieb würde ich gern wissen, ob diese Ideen von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. Helft mir auf die Sprünge.

Ausgangssitutation:

Alle Personen wären demnach verpflichtet, ein Jahr sozialen, ökologischen oder anderweitigen Dienst abzuleisten. Die Arbeit würde entsprechend einer aufzustellenden Rechnung vergütet werden. Es müsste natürlich auch geschaut werden, dass diese Arbeiten nicht den regulären Arbeitsmarkt in den jeweiligen Bereichen ersetzt. Dazu erhalten die Personen Anrechnung des Jahres, auch was die Rentenkasse anbelangt. Darüber hinaus würde ein System erstellt werden müssen, dass „frische“ Absolventen einer Ausbildung während des Jahres Möglichkeiten haben ihr fachliches Wissen auf dem neusten Stand zu halten. Vielleicht in Form von Workshops, Seminaren oder Bildungsgutscheinen für XY.Vielleicht ist es gar möglich, berufsnahe Angebote zu etablieren. Jemand aus der Branche XY arbeitet für ein Projekt soundso. Somit würden dem Arbeitgebern und dem Arbeitnehmern nur geringfügig Nachteile entstehen.

Es steht außer Frage, dass die Finanzierung auf einem anderen Blatt Papier steht. Generell geht es in erster Linie um die Frage, ob wir, als Gesellschaft, nicht auf vielerlei Weise davon profitieren könnten. Jeder Einzelne, die Gemeinschaft, die Umwelt und die Erde womöglich auch. Oder ist es zu viel verlangt? Schließt unsere Definition von „Freiheit“ ein solches Projekt per se aus? Kann ein Satz wie: „In diesem Jahr würde ich arbeiten, also Steuern bezahlen, also genug für den Staat tun.“ überzeugen? Ich selbst bin unschlüssig und gar keiner klaren Meinung. Wer womöglich mehr zu diesem Thema beitragen kann, ist herzlich eingeladen uns teilhaben zu lassen.

(C.M.)